Abschiedstränen und Kakerlaken

Christina als Lady Liberty

Wenn man für längere Zeit verreist ist das ungefähr so wie vor Weihnachten – man möchte alle nochmal sehen: alle FreundInnen besuchen, Verwandtschaft einladen usw.

Auch so bei uns: Neben den letzten Reisevorbereitungen und dem Kofferpacken (was bis dato nur zu unermesslichem Chaos geführt hat), ist nun täglich Besuch angesagt. Und damit verbunden fließen auch fast täglich Abschiedstränen. Den Buben ist das alles noch recht egal: mit einem flüchtigen „Tschüß“ verabschiedet Theo die Gäste bevor er sich wieder seinem Spiel widmet. Aber ich? Mir gehen Abschiede sowieso sehr nahe. Aber warum ist das so? Viele von den FreundInnen und Bekannten sehe ich so auch nicht öfter als alle paar Monate und durch WhatsApp ist man ohnehin ständig verbunden – ganz egal, in welcher Zeitzone man sich befindet. Nach dem einen oder anderen Glaserl Abschiedstrunk wird man allerdings gleich noch rührseliger…
Ich bin nur froh, dass ich meine Mama mit einpacke – diesen Abschied würden wir beide nicht gut verkraften.
Lustig sind die Abschiedsgeschenke: Da ist zum einen der schöne Kopfschmuck der Freiheitsstatue, den mir meine Freundinnen mitbringen mit den Worten: „Damit wickelst du den Einreisebeamten mit Sicherheit um den Finger und er lässt dich und die Kinder vor.“ Ich allerdings sehe dadurch eher meine Chancen steigen, dass ich in irgendeinem Verhörkammerl lande…
Auch gut: ein Lederhosen-Outfit für Baby Noah. Damit wird er sicher die Herzen der Amis im Sturm erobern.
Ich bin immer noch gerührt von Euren lieben Worten – DANKE – und ihr werdet sehen: schon bald
gehen wir euch wieder auf die Nerven – die nächsten Wochen halt nur online…
Derweil an der Wohnungsfront in NYC
Die letzten Tage waren ziemlich spannend: Flo war neben seinem FulltimeJob bei NBC auf Wohnungsbesichtigungs-Tour…also was einem da so unterkommt…
Über AirBnB – einer Plattform, auf der Privatpersonen eingerichtete Wohnungen zur Verfügung stellen – haben wir einige Apartments gefunden. Eines davon zum Beispiel im angesagten Stadtteil Brooklyn direkt neben einem riesigen Park – wie für uns gemacht. Die Bewertungen der Wohnung waren okay, eine Benutzerin sprach zwar von „Roaches“ in der Küche, aber ich dachte: „Mein Gott, das werden ein paar Kratzer sein“. Als Flo mir dann sagte, dass „Roaches“ übersetzt „Kakerlaken“ heißt, war die Sache für mich erledigt…ich werd jetzt doch noch ein bisserl an meinem Englisch feilen.
Jedenfalls haben wir jetzt endlich eine schöne Wohnung gefunden: in New Jersey. Viele von den New York-Kennern unter Euch werden jetzt aufschreien: „Jersey? Da seid ihr ja total abgeschieden“ Aber dem ist nicht so: Flo braucht 30 Minuten nach Downtown Manhattan – kürzer wärs von Brooklyn oder Uptown auch nicht und wir wohnen leistbar (zumindest für New York-Verhältnisse) direkt an der Waterfront des Hudson Rivers, gemeinsam mit vielen Familien und Spielplätzen. Also ganz ehrlich: lieber New Jersey als die Bronx…
Jetzt wird’s jedenfalls Zeit, dass wir losdüsen – Theo erträgt die Spannung kaum mehr und wir vermissen Flo. Noah fängt jedesmal beim Videotelefonieren zu weinen an: Kein Wunder – so klein und flach kennt er den Papa nicht. Nur mehr vier Mal schlafen Noah: dann gibts den Papa wieder live und in Farbe…