Andere Länder, andere Pizzen – oder so ähnlich

Theo und das Sprungbrett

Eineinhalb Wochen sind die Oma, die Buben und ich nun schon in Amerika und während für Flo vieles schon sehr normal ist, wundern und staunen wir doch täglich. Denn vieles ist hier anders als bei uns zu Hause – was ja auch gut ist: sonst müsste man ja nicht verreisen.

Folgend nun ein kleiner Exkurs zum Thema „andere Länder, andere Pizzen…äh…Sitten“:
Vor ein paar Tagen ging´s für Flo nach Pennsylvania, um dort eine Wahlkampfveranstaltung von Hillary Clinton zu besuchen. Und weil wir auch ein bisserl was von dem Land sehen wollen, in dem wir die kommenden drei Monate verbringen kamen wir mit.
Der Ausflug führte uns ins beschauliche Städtchen Scranton, gut zwei Autostunden westlich von New York City gelegen.
Und während Papa Flo mit den PolitikerInnen in einer örtlichen High School Schinkenbagels isst (Flo: „da ist jeglicher Schinken bei uns daheim hauchdünn geschnitten, zentimeterdick war der“), verbringen Oma, die Jungs und ich den Nachmittag im Freibad der Stadt. So weit, so gewöhnlich.
Schon bei der Ankunft beim Bad wundern wir uns um 11.30 Uhr vormittags über geschlossene Türen. Auf der Tür steht, dass das Bad täglich erst um 12 Uhr mittags öffnet. Warum das so ist? Keine Ahnung. Scheinbar will hier vormittags keiner schwimmen.
Die Enttäuschung von Theo ist groß, daher muss die Wartezeit mit Eis vom Imbissstand nebenan überbrückt werden. Für die Erwachsenen gibts Kaffee, klassisch aus der Filtermaschine und riiiiiiesig. Dass ich kein Bargeld bei mir habe fällt mir erst auf, als schon alle Speisen und Getränke vor uns stehen. „No Problem, Honey“, versichert mir die Dame hinter der Kasse – sie würde auch Kreditkarte nehmen. Nicht schlecht für einen Würstlstand. Die Frau zückt kurzerhand ihr Smartphone und steckt ein klitzekleines Kästchen an (ca. zwei mal zwei Zentimeter). Kreditkarte rein und schon kann ich bargeldlos bezahlen: Mit eigens dafür vorgesehenem Stift kritzle ich meine Unterschrift auf das Display ihres Handys – sehr beeindruckend für einen Techniklaien wie mich. Zum halben Liter Kaffee pro Person reicht uns die Würstelbudenfrau je 20 von diesen kleinen Milchportionen im Plastikbecherl, weil sie ihren Kaffee gerne leicht mag. Theo bekommt ein Eis ganz in blau und schon ist der Kummer über die Wartezeit vergessen.

Flo und Theo auf der Kamikaze-Rutsche

Rettungsschwimmer und andere Kuriositäten

Das Badevergnügen ist groß: es gibt  Rutsche (grauenhaft hoch und schnell) UND Sprungbrett: Theo ist happy und auch Noah freut sich nach dem vielen Schwitzen der letzten Tage über das Plantschen.
Nach zwei Stunden dann die nächste Überraschung: Alle sechs (in Worten SECHS) Rettungsschwimmer – es gibt nur zwei Becken – pfeifen alle Badegäste aus dem Wasser. Was ist denn da los? Ist etwas passiert? Nein, die machen das immer – alle zwei Stunden müssen alle raus aus dem Wasser, damit sie die Becken kontrollieren und 15 Minuten Pause machen können. Scheinbar ist es wichtig, dass sie alle gemeinsam Pause machen – man mag sich gar nicht ausmalen, wenn statt sechs nur vier Rettungsschwimmer die 30 Badegäste beaufsichtigen.
Da so ein Nachmittag hungrig macht, kehren wir auf dem Rückweg in der örtlichen Pizzeria ein. Wie auch zu Hause bestellen wir für Theo Nudeln und für uns Erwachsene jeweils eine kleine Pizza, nachdem uns die Kellnerin schon darauf hingewiesen hat, dass die Portionen „huuuuuuuge“ (also riesig) seien. Als die Pizzen dann gebracht werden, staunen wir nicht schlecht: selbst die kleinen Pizzen sind so groß wie eine Familienpizza daheim in Österreich. Ich finde das großartig: hat sich die Verpflegung für die restliche Woche auch schon erledigt. Auch Theos Penne mit Tomatensauce und Fleischbällchen könnten eine dreiköpfige Familie ernähren…
Da es in New York eher teuer ist, Lebensmittel einzukaufen bleiben wir noch bei einem großen Supermarkt stehen, um unsere Vorräte aufzustocken. Ach, wie ich es liebe, in fremden Ländern Lebensmittel einzukaufen: stundenlang könnt ich durch die Gänge spazieren: aber ich muss mich beeilen, den Kindern ist kalt. Was daran liegt, dass in diesem Supermarkt gefühlt Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen. Noch schnell Milch holen: „Schnell“ geht das allerdings nicht, denn es gibt hier ungefähr 24 verschiedene Milchsorten, von absolut-überhaupt-kein-Fett-und-vermutlich-auch-geschmacksbefreiter Milch bis hin zu extra-Vitamin-D-Milch und halb-Schlagobers-halb-Milch-Milch ist alles dabei. Ich muss eine Angestellte fragen, wo ich denn jetzt die ganz gewöhnliche Vollmilch finde.
So kommen wir mit ganz vielen neuen Eindrücken und Bildern nach New York zurück und träumen von Rettungsschwimmern, die in ihrer Pause mit Hillary Clinton gemeinsam Schinken-Vollmilch trinken.