Delfine, Schnupfennasen und ein Männerhaushalt

Theo und Flo in der Half Moon Bay

Die letzten Tage waren so voll mit neuen Eindrücken und Erlebnissen, dass ich es erst jetzt schaffe, einen neuen Blogbeitrag zu schreiben. Dabei gibt es so viel zu erzählen: Wie unser kleiner Roadtrip weitergegangen ist zum Beispiel und wie wir hier in San Francisco im Haus von Dave, dem weltreisenden Zweifachpapa leben. Daneben beschäftigen uns noch Schnupfennasen, Delfine und ein verstauchter Knöchel…aber alles der Reihe nach:

Nach dem „Schockerlebnis“ mit den Asiaten letzte Woche war uns nach etwas Ruhe und wir verbringen zwei gemütliche Tage in Pismo Beach – einem Städtchen an der Pazifikküste. Hier gibt es Strand, Surfer und einen Hotelpool, das wichtigste Accessoire für Wasserratte Theo, denn der Pazifik ist so kalt, dass es zwar für die Venen, nicht aber für das Wohlbefinden gut ist.
Wir checken in unserem Hotel ein und sind erstaunt über die vielen deutschsprachigen Touristen und Touristinnen, die wir hier treffen. Viele machen hier Halt auf der Reise über den Highway No. 1. Für uns ist es inzwischen seltsam geworden, mit familienfremden Leuten deutsch zu sprechen. Und auch, dass uns plötzlich wieder jemand versteht.
Weiter geht unser Roadtrip über Monterey bis nach Carmel by the Sea: Ein malerischer Ort, in dem seinerzeit sogar Hollywoodgröße Clint Eastwood Bürgermeister gewesen ist. Wir verbringen den Abend am Strand als plötzlich zwischen den Surfern eine Delfinfamilie auftaucht. Die Tiere spielen im Uferbereich miteinander, tauchen immer wieder auf und zeigen uns sogar ein paar Sprünge. Wir sind begeistert.
Eine letzte Nacht verbringen wir in einem Hotel direkt an den Klippen der Half Moon Bay bevor wir schließlich nach San Francisco fahren. Und die Stadt begrüßt uns mit Pauken und Trompeten: Es ist „Fleet Week“, ein tagelanges Fest zu Ehren der Marines, also der Soldaten und Soldatinnen auf See. Es gibt Flugshows, Paraden, Picknicks und vor allem keine Parkplätze. Darum fahren wir gleich über die Bay Bridge nach Oakland, um uns das Spektakel von der Ferne anzuschauen – Theo ist begeistert und beschließt, Pilot zu werden, wenn er groß ist. Besser als Rennfahrer, sein bisheriger Traumjob, finde ich…
Weiter gehts Richtung Berkeley, wo wir uns über AirBnB ein Haus gemietet haben. Da San Francisco noch unleistbarer ist als New York City – wer hätte gedacht, dass diese Preise noch zu steigern sind – haben wir entschieden, wieder außerhalb zu leben. Und so leben wir für die nächsten drei Wochen bei Dave, dem Papa von Robert (12) und Michael (10), geschieden, Lehrer und Weltreisender. Er fliegt für die nächsten Wochen nach Europa, Freunde in London und Paris besuchen – durch AirBnB finanziert er seine Reisen. So skeptisch wir anfangs waren, so begeistert sind wir nun von dem Leben in anderer Leute Häuser und Wohnungen – authentischer kann man nicht reisen. Und dieses Haus hier ist für Theo der Höhepunkt. Denn im kleinen verwachsenen Garten gibt es neben Schaukel und Rutsche einen Basketballkorb (ganz wichtig für Ballfanatiker Theo), eine Seifenkiste und ein Klettergerüst, das wie ein Piratenschiff ausschaut. Außerdem tonnenweise Spielzeug von Daves Buben im Haus: Raketen, Dinosaurier und Züge – besser gehts nicht. Wir sind nicht ganz so begeistert, denn das Haus ist über hundert Jahre alt. Die meisten Fenster gehen nicht auf und Dave scheint Ordnung und Reinlichkeit nicht ganz so wichtig zu sein. Aber wir arrangieren uns und staunen über die vielen Fotos und Reiseberichte, die im ganzen Haus verteilt sind. Dave ist begeistert, Österreicher als Gäste zu haben, er ist ein großer Fan unseres Landes und spricht auch einige Worte Deutsch. Ganz klischeehaft liegt auch der „Sound of Music“-Soundtrack am Nachttisch bereit. Es ist zwar nicht die sauberste Unterkunft unserer Reise, mit Sicherheit aber die herzlichste…
Inzwischen haben wir uns hier schon gut eingelebt. Die Buben haben die obligatorischen Herbstschnupfennasen, vor allem Noah leidet sehr und mit ihm auch die Eltern, die kaum Schlaf bekommen. Theo weigert sich nach wie vor lange Kleidung anzuziehen, daher kommt auch hier die Schnupfennase wenig überraschend. Im übermüdeten Momster-Zustand (ja richtig gelesen: manchmal bin ich halb Mom – halb Monster) ist es mir gestern gelungen, über den Randstein des Gehsteigs hinunterzustolpern. Knöchel verstaucht. Gratuliere. Jetzt humple ich halt durch die Straßen von San Francisco, mit blauem Knöchel und ganz ohne „flowers in my hair“…