Die Wackelzahn-Pubertät

Das Leben mit Kindern: Ständig kommt irgend so eine Phase daher, von der man nichts wusste, bevor man Kinder hatte. Richtig? Vermutlich ist das auch besser so. Sonst wären wir wahrscheinlich schon ausgestorben.

Im ersten Jahr der Buben betete ich mein Mantra tage-, nein besser nächtelang, vor mich hin: „Es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase, es ist nur….SCHLAF DOCH BITTE ENDLICH!“ Und kaum scheint die eine Phase überstanden, kommt schon die nächste daher und dein Kind ist wie ausgewechselt.

Ich glaube ja, dass wir als Eltern diese Phasen nur mit einer gesunden Portion Humor und Sarkasmus überstehen. Und mit ganz viel Ehrlichkeit untereinander. Oder hat es Euch jemals schon geholfen, wenn andere Eltern davon schwärmten, wie unkompliziert und brav (sowieso ein blödes Wort) ihre Kinder doch seien, wenn man selbst mit Augenringen bis zu den Knien am Spielplatz sitzt und sich in die Karibik wünscht?

Also lasst uns gemeinsam die herausfordernden Phasen durchstehen, dann können wir uns auch gemeinsam an den schönen und harmonischen erfreuen.

Es wird nicht fad

Jedenfalls dachten wir, dass die Kinder, sobald sie der sogenannten Trotzphase (Noah hat uns in dieser Zeit durchaus einem Elterntest unterzogen) entwachsen wären, endlich Ruhe einkehrt. Zumindest für ein paar Jahre, bis dann die Türen knallen und wir Eltern „soooooo peinlich“ werden. Bis zur Pubertät also hätten wir noch ein bisschen Zeit.

Denkste! Es gibt da nämlich noch eine Phase, die für die ganze Familie sehr herausfordernd werden kann – die sogenannte Wackelzahn-Pubertät.

Endlich – die erste Zahnlücke!

Verschränkte Arme und ein böser Blick

Schon seit ein paar Wochen fällt uns auf, dass unser Großer sehr leicht reizbar ist. Oft werden unsere Worte mit einem bösen Blick, Gestampfe und verschränkten Armen quittiert. Nicht selten höre ich ein „Du bist so gemein!“  Noah wird überhaupt nur mehr mit „GRRRRRRR“ begrüßt. Und das obwohl Theo der ausgesprochene Lieblingsmensch seines kleinen Bruders ist.

Theo lässt sich aber auch von Noah extrem leicht provozieren. Noahs Aussage „Nein, Noah großer Bruder!“ kann Theo so zur Weißglut treiben, dass er wutentbrannt den Raum verlässt. Was ist da los? Woher kommen diese plötzlichen Gefühlsausbrüche?

Der erste Wackelzahn

Lange schon sehnt Theo den Moment herbei, wenn auch bei ihm endlich der erste Zahn wackelt. Und tatsächlich: Seit vergangenem Wochenende wackelt der untere Schneidezahn. Theo ist so furchtbar stolz, dass auch er endlich einen Wackelzahn hat.

Zeit also, dass sich die Mama einmal ausführlich mit dem Thema beschäftigt:
Rund um den sechsten Geburtstag steht also der Zahnwechsel bevor. Natürlich ist das nur ein Richtwert: Jedes Kind ist anders, bei manchen fängt es schon früher an, bei manchen eben später. Jedenfalls ist der erste Wackelzahn etwas ganz besonderes, wie so vieles in diesem Alter: Im Kindergarten gehört man zu den Großen, zu den Schulanfängern. Ganz besondere Aufgaben werden einem zugeteilt. Und man muss auch schon mehr Verantwortung übernehmen: Für sich selbst und für die kleineren Kinder um sich herum.

Dass das alles manchmal überfordert, ist klar. Und wo, wenn nicht daheim, dürfen diese Gefühle auch mal raus? Eigentlich spricht es ja für uns Eltern, wenn sich die Kinder daheim auch einmal gehen lassen können. Hier ist schließlich die geschützte Umgebung und es ist ganz wichtig, dass wir unseren Kindern dieses Urvertrauen geben.

Natürlich nerven diese Wutausbrüche – und selbst wenn ich mir 20.394.802 Mal sage: „Einatmen, ausatmen, einatmen, ausatmen“ flipp‘ ich manchmal aus, wenn der Wutzwerg wieder einmal von Theo Besitz ergriffen hat. Meistens macht es das allerdings nicht besser. Es hilft aber auf jeden Fall zu wissen, dass der Zahnwechsel eine emotionale Achterbahn für die Kinder ist. Das Zubeißen ist unangenehm und zu dem kommen noch so viele andere Veränderungen auf ein Kind in diesem Alter zu.

Wackelzahn-Pubertät? Was nun? Was tun?

Wie können wir unser Kind also durch diese schwere Phase begleiten, ohne dass unsere Nerven auf der Strecke bleiben? Steffi vom Mamablog  What a lovely Day  macht uns Mamas Mut und gibt 10 Tipps, wie wir gut durch diesen Lebensabschnitt kommen: „Was wir in dieser Zeit tun können ist Zuhören und Raum geben. Einfach einmal nichts sagen und trösten. Körperkontakt gibt dem Kind Sicherheit. Kinder brauchen in dieser Zeit das Gefühl von Geborgenheit und möchten gehalten werden. Das Selbsvertrauen des Kindes stärken. Bewegung an der frischen Luft ist auch wichtig“, schreibt Steffi.

Und auch Daniela vom Blog Die kleine Botin beschreibt diese Zeit als herausfordernd: „Die Zeit des Zahnwechsels ist emotional eine schwere Phase für die Kinder (und die Familie). Emotionales Ungleichgewicht, Tränen, Wut, Zorn – eine unglaubliche Welt an großen Gefühlen begleiten diese Jahre. Nicht andauernd und nicht ohne Unterbrechung, so wie die Zähne sich nach und nach erst zeigen, sind das anspruchsvolle Zeiten. Gefühlsschwankungen und Selbstzweifel, Verlorenheit und himmelhochjauchzende Momente jagen einander.(…) Mich als Mutter erinnert das Szenario ein wenig an die anstrengende Zeit des Zahnens mit Baby. Das Traurige darin ist, dass man nichts tun kann, außer da zu sein und zu begleiten.“

Also auf gut Deutsch: Ruhig Blut, Mamas und Papas! Tun können wir nichts, außer für unsere Kinder da zu sein und sie zu umarmen. Das sollten wir sowieso viel öfter tun! Und zwischenzeitlich hilft das altbewährte Mantra: „Es ist nur eine Phase, es ist nur eine Phase…“