Durchnässt im Central Park

Loeb Boathouse – vor dem Regen…

Ich konnte das mit dem New Yorker Platzregen ja nicht so recht glauben. Als die Kinder und ich noch daheim in Österreich waren, erzählte mir Flo, dass ihn der Regen in Manhattan derart überrascht hätte und er deshalb komplett durchnässt nach Hause gekommen sei.

Nun ist es so, dass ich meinen Mann jetzt doch schon eine Weile kenne und weiß, dass er, wenn er in Gedanken versunken ist, nichts um sich herum wahrnimmt. Darum dachte ich auch in diesem Fall, dass er wahrscheinlich jegliche Wetterwarnung und somit auch alle schwarzen Gewitterwolken einfach übersehen hat. Mir würde das ja nicht passieren…
Die Buben, die Oma und ich verbringen einen der letzten heißen Tage hier in New York City im wunderschönen Central Park. Da gibt es immer etwas Neues zu entdecken. Die Statue von Alice im Wunderland zum Beispiel, neben einem Teich, auf dem man ferngesteuerte Modellboote herumflitzen lassen kann. Gleich ums Eck dann das berühmte Loeb Boathouse mit angrenzendem Central Park Lake, wo jeder und jede sein oder ihr Geschick beim Ruderboot fahren beweisen kann. Herrlich, den vielen Touristen und Touristinnen zuzuschauen, während sie versuchen, in Highheels und mit sündteurer Kameraausrüstung nicht zu kentern. An diesem malerischen Fleck des Parks wurden schon unzählige Hollywoodfilme gedreht. Und wir mittendrin – die Mühlviertler Landeier in der großen Stadt. Wir suchen uns eine großen Baum, in dessen Schatten Noah gleich seiner Lieblingsbeschäftigung nachgeht: Im Dreck herumwühlen bis er ganz schwarz ist. Ich sag‘ euch eines: So schmutzig wie hier sind wir zu Hause selten am Ende des Tages.

Noch hält uns der Baum halbwegs trocken

Dass es ein bisschen zu tröpfeln beginnt, stört uns wenig – endlich eine Erfrischung nach einem fast unerträglich drückend heißen Tag. Wir essen gemütlich unsere Jause und lassen uns von dem stärker werdenden Regen nicht aus der Ruhe bringen – zu herrlich ist die Abkühlung und außerdem schützt uns unser Baum ganz gut vorm Nasswerden. Noch…

Denn plötzlich setzt Sturm und Starkregen ein und auf Blitz folgt Donner. Schnell stellen wir uns ganz nah zum Baumstamm, wo es vorerst noch am trockensten ist. Der Regen kommt nun von allen Seiten. Überall laufen Menschen um irgendwo Unterschlupf zu finden. Mittlerweile sind wir durchnässt: Versuche, die Kinder vor dem Regen zu schützen, scheitern kläglich.
Ich beschließe, die Jungs ins Trockene zu bringen und wir laufen los. Oma packt derweil in aller Ruhe unsere Sachen zusammen: Irgendwann kann man nicht mehr nasser werden. Sturzbäche an Schlamm und Wasser schießen die Wege runter und wir müssen höllisch aufpassen um nicht auszurutschen. Vor allem Noah weiß gar nicht, was passiert und wundert sich über das viele Wasser im Gesicht, erträgt es aber stoisch. In einer Unterführung finden wir schließlich Unterschlupf. Zumindest für die Kinder haben wir noch halbwegs trockene Kleidung dabei. Die Oma und ich tropfen allerdings weiter. In der Unterführung haben inzwischen viele Menschen Zuflucht gesucht und es herrscht heitere Stimmung: Straßenkünstler fangen an zu musizieren und zu tanzen, während draußen die Welt unterzugehen scheint.
Mindestens fünf Brautpaare, die ihr Fotoshooting im Central Park abbrechen mussten, sind auch dabei: In langen Kleidern und mit vielen Luftballons – ein toller Anblick. Ein Paar beschließt kurzerhand, das Shooting im Regen zu machen – es entstehen unvergesslich schöne Bilder. Flo und ich wissen von unserer eigenen Hochzeit, was Starkregen heißt.
Schließlich lässt der Regen nach und wir machen uns auf den Heimweg: Theo lässt keine Pfütze aus und watet mit Genuss in seinen Turnschuhen durch die entstandenen Riesenpools – ist auch schon egal. Natürlich sind in solchen Momenten sämtliche Taxis in Manhattan besetzt und wir schleppen uns zur U-Bahn. Wortwörtlich, denn Noahs Trage ist so nass, dass ich ihn nicht mehr reinstecken kann und so trage ich ihn gefühlt 174 Kilometer am Arm zur nächsten Station. Der lange Marsch hat den Vorteil, dass wir fast schon wieder trocken sind als wir daheim ankommen. Von unseren Haaren möchte ich hier gar nicht sprechen…
Erkenntnis des Tages: Manche Dinge kann ich meinem Ehemann durchaus glauben, zumindest wenn es um Regen in New York City geht…