Ein Schneemann mit Beule

Was ist den bloß mit den Jahren los? Jetzt ist schon wieder Mitte Dezember. Hatten wir das nicht gerade?
Ich weiß, ich hör‘ mich an wie meine eigene Oma, aber mich gruselts schon ganz schön: Die Zeit vergeht viel zu schnell. Aber so ist das scheinbar, sobald man den 18. Geburtstag hinter sich gelassen hat, oder? Und mit Kindern ist sowieso Zeit so eine Sache – die Tage verrennen wie im Flug, auch wenn man sich abends oft fühlt, als wäre man einen Marathon gelaufen. Und dabei hat man es außer zum Kindergarten und zurück nirgends hingeschafft.

Alle Jahre wieder beschäftigen uns auch heuer wieder Wunschzettel, Adventkalender, Nikolaus und das leidige Thema: Wann schneit es denn jetzt endlich? Zumindest Schnee hatten selbst wir im Wienerwald auf 320 Metern Seehöhe – zumindest kurz, jetzt kommen bei fast 15 Grad schon wieder Frühlingsgefühle auf.

Endlich Schnee!

Aber zurück zum Thema Weihnachten und vorweihnachtliches Tamtam: Das Drama fängt schon im Oktober an, wenn mit der Post der legendäre Lego-Katalog ins Haus flattert. Ich bin fix davon überzeugt, dass dieses Druckwerk direkt aus der Hölle kommt. Kaum hat sich das Kind darauf gestürzt, geht es auch schon los: „Mama, schau‘, das wünsch‘ ich mir… Und das… Und das… Und das…“ Und so geht es dann dahin bis zum 24. Dezember. Und wehe, der Katalog verschwindet auf mysteriöse Weise, Oma oder Opa verschaffen sofort Abhilfe und bringen beim nächsten Besuch ein neues Exemplar mit…grmpffffff. Dass einem sogar die engsten Verwandten immer in den Rücken fallen. Es wird also von nichts anderem mehr gesprochen als von der Wunschliste. Jegliche pädagogisch wertvolle Phrase á la „Es gibt Kinder, die haben überhaupt keine Spielsachen…“ wird, wenn überhaupt, nur mit einem Schulterzucken quittiert.

Trick 17 kommt dann tatsächlich von der Oma, die mit den Buben endlich den Brief ans Christkind schreibt und im Gegenzug sämtliche Lego-Kataloge einkassiert, mit dem Hinweis, dass er die ja jetzt nach dem Schreiben des Briefes ohnehin nicht mehr brauchen würde. Funktioniert. Allerdings nur ein paar Tage, bis der Bub irgendwo den Toys ‚R‘ Us-Katalog in der Post findet – Herrschaft!
Auf den Hinweis, dass der Wunschzettel doch schon geschrieben sei und das Wünschen nun ein Ende hat, meint der Nachwuchs: „Dann wünsch ich mir das halt schon für den Geburtstag“ oder „Ich hab‘ so viel Geld gespart, ich kaufs mir einfach selber!“ Ahhhhhhhhhh. Der Geburtstag ist erst im März, da steht uns also noch einiges bevor und für das Argument, dass er sein gespartes Geld möglicherweise später noch für wirklich wichtige Dinge brauchen könnte, ernte ich sowieso nur abschätzige Blicke.

Der Nikolaus muss draußen bleiben
Eine weitere Chance auf Geschenke bietet natürlich der Nikola. Darum wird er auch in diesem Jahr sehnlichst erwartet. Als der große Tag allerdings dann näher rückt, ist sich Theo plötzlich doch nicht mehr so sicher, ob er den Mann mit Rauschebart hereinlassen möchte. Das ist dann doch alles sehr aufregend.

Der erste Plan sieht also folgendermaßen aus: Wir werden den Nikolausnachmittag und -abend bei Nachbarn verbringen, die selber zwei kleine Buben haben und dort wird dann der Nikolaus hinkommen, eine Geschichte vorlesen und die Sackerl austeilen. Guter Plan.
Aber natürlich kommt wieder alles anders: Die Buben bleiben in Oberösterreich, weil Theo zum einen noch im (Mandel-OP-)Krankenstand ist und wir zwischen zwei Mühlviertel-Wochenenden nicht unnötig hin- und herfahren wollen. Reicht schließlich, wenn Mama und Papa zum Arbeiten zurück nach Wien müssen.

Theo ist dann ganz erleichtert, als die Oma den Nikolaus anruft und ihm sagt, er möge doch bitte die Gaben vor der Türe abstellen und dann schnell wieder das Haus verlassen. Dem Nikolaus ist das eh ganz recht, schließlich hat er viel zu tun an dem Tag.
Ich, aka die Nikoläusin, schleppe also besagte Gaben mit dem Zug nach Oberösterreich, der Nikolaus kann halt auch nicht alles selber machen. Als es dann tatsächlich an Omas und Opas Tür läutet ist die Aufregung groß. Theo traut sich kaum die Tür aufmachen und schickt den furchtlosen, fast vier Jahre jüngeren Noah vor. Und da steht dann wirklich ein Korb mit Süßem und ein paar Spielsachen draußen. Welch große Freude!

Der Nikolaus war da!

Schau, was da alles drinn ist!

Endlich Schnee – jucheeee!
Obwohl uns der Föhn mittlerweile wieder heimgesucht hat, sind wir froh, dass wir zumindest ein paar Tage auch bei uns im Wienerwald ein Winterwonderland hatten. Es gibt selten Tage, an denen die Kinder schon vor dem Frühstück unbedingt raus in den Garten wollen. Gleich nach dem Aufstehen also rein in das Schneegewand und ab in die weiße Pracht. Sofort wird mit dem Bau eines Schneemannes begonnen, was erstaunlich gut funktioniert und nur wenig Streitereien nach sich zieht, obwohl Noah natürlich schon von Theo erklärt bekommt, dass er mit der Schaufel sehr vorsichtig sein muss.
Nachdem das Schneegespenst (ist viel cooler als ein Schneemann) fertig ist, reicht es Theo auch schon wieder und er zieht sich in die Wärme zurück. Noah ist allerdings nicht mehr zu bremsen: Bewaffnet mit Schaufel und Küberl wird munter weitergebaut  – er hat bei allen kreativen Arbeiten jetzt schon eine unglaubliche Ausdauer. Noah erklärt mir schließlich ganz ernst: „Heemann – aua – Eule“ – nach einigen Minuten der Übersetzungsraterei weiß ich dann: Der Schneemann hat sich wehgetan und jetzt eine Beule am Kopf. Armer Schneemann.

Ein Schneegespenst mit Beule.

Mittlerweile ist vom Schneemann quasi nur mehr die Beule übrig. Also warten wir wieder auf weiße Weihnachten und auf das Christkind. Theo ist inzwischen schon wieder etwas unausgeglichen, weil er sich ärgert, dass er auf den Wunschzettel fast ausschließlich Spielzeug von Lego geschrieben hat. „Weißt Du, Mama, eigentlich wünsche ich mir doch nicht so viel Lego, sondern Spielzeug, dass nicht so viel Arbeit macht beim Zusammenbauen.“

Das Christkind muss manchmal eben auch etwas flexibel sein…

 

Letztes Jahr um diese Zeit haben uns noch ganz andere Dinge beschäftigt: Das nächtliche Abstillen von Noah verlief doch anders als erwartet…