Elternabend. Oder: Was von den Nerven übrig blieb

Mit Kindern kommen im Herbst diverse Herausforderungen auf uns Eltern zu. Zum Beispiel: Was zieh‘ ich dem Kind in der Früh an, ohne dass es morgens erfriert und zu Mittag einen Hitzschlag bekommt? Strumpfhose oder nicht? Haube oder nicht? Unendlich viele Entscheidungen, die vor 7:30 Uhr zu treffen sind. Die gleichen Entscheidungen muss ich ja zeitgleich auch für mich treffen, auch wenn bei mir Strumpfhose und Haube noch im Schrank bleiben.

Mit Theos Schulstart und Noahs Kindergartenstart kommen zusätzliche Aufgaben dazu: Jause für zwei Kinder, die beide unterschiedliche Geschmäcker haben. Hab‘ ich auch ins Mitteilungsheft und in die Mappe der Nachmittagsbetreuung geschaut? Ist die Hausübung erledigt? Und wo zur Hölle sind die Turnpatschen/die Schuhe/die Trinkflasche/die Regenjacke (beliebiges Teil bitte hier einfügen)?

Und dann gibt es noch eine Sache, der ich jeden Herbst mit gemischten Gefühlen entgegenblicke. Ihr ahnt es schon: Es ist wieder Elternabend-Zeit. Man möge meinen, nach mittlerweile vier Jahren Elternabend-Erfahrung hätte man Nerven aus Stahl und alles gehört. Falsch gedacht! Denn jetzt kommt der Elternabend in der Volksschule und der ist noch einmal eine ganz andere Liga.

In unserem Fall heißt das, wir müssen mittlerweile drei (!) Elternabende bestreiten: Einen von der Volksschule, einen von der Nachmittagsbetreuung und einen vom Kindergarten. So weit, so anstrengend.

Elternabend – zu große Popos auf zu kleinen Sesseln

Warum ich NIEMALS Lehrerin sein möchte

Vorneweg möchte ich sagen, dass ich die Erfindung Elternabend grundsätzlich gut finde. Auch ich möchte erfahren, was Theo und uns im neuen Schuljahr erwartet. Der Elternabend wäre auch sicher super, wenn keine Eltern dabei wären – aber, naja, das wird wohl nix mehr.

Es ist der zweite Schultag in der ersten Klasse Volksschule an dem Theos Elternabend stattfindet und die Direktorin hat schon vor einigen Monaten gewarnt, dass der erste Elternabend gut und gerne mal drei (!!!) Stunden dauern kann. Ha, denke ich, sicher nicht bei uns.

Theos Klassenlehrerin ist wunderbar gelassen und organisiert. Sie spricht über Lerninhalte, Pausen, Jausen, Ausflüge und alles, was wir auch wirklich wissen müssen. Eine Stunde ist schnell um, ohne gröbere Zwischenfälle.

Doch dann kommen die Reizwörter: Klassenelternvertreter, Geburtstagsjause, Datenschutzgrundverordnung und – ACHTUNG – Benotung.

Die darauffolgenden Diskussionen ziehen sich und ich bewundere einmal mehr die Gelassenheit der Lehrerin. Wäre ich an ihrer Stelle hätte ich vermutlich für die Eltern schon alte und längst überholte „Erziehungsmethoden“ wieder hervorgeholt und die eine oder andere Mutter ins Eck gestellt.

Bloß nicht alle auf einmal

Beim Stichwort „Klassenelternvertreter“ steigt die Anspannung im Raum merklich. Neben dem Elternverein werden auch noch Klassenelternvertreter gewählt, die die Eltern der jeweiligen Klasse – ja genau – vertreten. Quasi ein Klassensprecher auf Elternseite.

Plötzlich scheinen alle Eltern um einen Kopf kleiner geworden sein und jeder und jede starrt auf die Tischplatte. Zum Glück finden sich schließlich zwei engagierte Mamas, die sich freiwillig melden, diesen Job zu übernehmen. Es ist ja schon spannend, dass einige Eltern fast alles kritisieren, was die Lehrerin zu sagen hat, engagieren will sich aber dann doch keiner. Skurril ist dann doch die Tatsache, dass wir schriftlich und anonym die beiden Damen offiziell zu unseren Klassenelternvertreterinnen (was für ein Wort!) wählen müssen, weil die Wahl nicht per Handzeichen stattfinden darf. Natürlich fehlen am Ende wieder ein paar Stimmzettel und so zieht wieder eine halbe Stunde ins Land, in der viel zu große Hintern auf viel zu kleinen Sesseln sitzen müssen. (Buchtipp dazu übrigens: „Große Ärsche auf kleinen Stühlen“ – herrlich)!

Von Hefteinbänden und Kuchen zum Geburtstag

Mit Grauen erinnere ich mich noch an meine Schulzeit und das alljährliche Einbinden der Schulbücher mit dieser Klebefolie. Hat das schon jemals jemand „blasenfrei“ hinbekommen? Ich weiß noch, wie ich die Blasen mit Nadeln aufgestochen habe, um sie wieder verschwinden zu lassen, nachdem meine Mama mir die Bücher eingebunden hat (Danke, Mama!).

Diskussion um Hefteinbände im Jahr 2018: Eine Mama gibt – meiner Meinung nach zu Recht – zu bedenken, dass die Bücher, wenn mit Plastik eingebunden, nicht mehr als Altpapier entsorgt werden können. Die Lehrerin stimmt dem zu und lässt es uns selbst entscheiden, ob wir die Bücher einbinden wollen oder nicht. Was folgt ist eine Grundsatzdiskussion zum Thema Plastik und seinen Folgen. Ich denke mir „Wo ist denn hier die Bar?“ und schaue auf die Uhr: Zwei Stunden sind schon vorbei. Ich stelle mir die Direktorin vor, wie sie mir heimlich zuflüstert: „Hab‘ ich zu viel versprochen?“

Wir werden Theos Bücher nicht einbinden. Der Plastikwahnsinn ist ohnehin ein Thema für sich. Mal sehen, wie lange die Bücher überleben… 😉

Nächstes Thema: Geburtstagsjause. Wie toll ist es, dass auch in der Schule weiterhin Geburtstage gefeiert werden? Ich finde das großartig! Der Geburtstag ist so etwas besonderes, das darf auch gebührend gefeiert werden. Jedes Kind nimmt zum Geburtstag einen Kuchen (am besten Muffins wegen der Bröselei) mit. Es wird gemeinsam gesungen und gefeiert. Toll ist das. Und ganz ehrlich: Es ist ganz wurscht, ob das Kind zuckerfrei, vegetarisch, vegan oder glutenfrei aufwächst – wenn man das weiß, richtet man sich doch gern nach den Bedürfnissen der Kinder. Ende der Diskussion.

DSGVO und Noten

Der wirklich harte Tobak kommt um 20:30 Uhr (wir sitzen hier seit 18 Uhr). Nämlich: Dürfen wir Eltern eine Whats-App-Gruppe gründen, ohne damit gegen die Datenschutzgrundverordnung zu verstoßen? Wenn die Lehrerin nicht dabei ist, dürfen wir das – AHA. Die Whats-App-Gruppe ist also beschlossen und auch dass jene Eltern ohne Whats-App nicht in ein Informationsloch fallen.

Wirklich heiß her geht es dann beim Thema Benotung. Wir dürfen nämlich abstimmen, ob die Kinder am Ende der ersten Klasse (Betonung auf ERSTER Klasse) eine Gesamtnote bekommen oder eine differenzierte Benotung, wo zum Beispiel auch das soziale Verhalten in 50 Unterkategorien bewertet und erklärt wird. Zum Glück können wir die Abstimmung ohne größere Schlägerei hinter uns bringen.

Schlag 21 Uhr verlasse ich dann aber doch das Schulgebäude. Wieder ein Elternabend überlebt. Nur knapp, aber doch. Kommen nur mehr 15 weitere Elternabende auf uns zu, bis die Buben die Volksschule abgeschlossen haben…

Zum Thema „Elternabend im Kindergarten“ haben wir hier auch schon ausführlich geschrieben – inklusive Bullshit-Bingo zum Ausdrucken. Viel Spaß! 😉