Geschwisterliebe: Das haben wir gelernt…

Vor rund einem Jahr hab ich hier schon einmal zum Thema „Geschwisterliebe“ hier geschrieben und über unsere Ratlosigkeit bei großen Dramen rund um das Teilen von Spielsachen. Zeit also, die letzten Monate Revue passieren zu lassen: Was klappt mittlerweile gut, was weniger, plus ein paar Tipps, die es allen Mamas und Papas vielleicht ein bisschen leichter machen…

Theo und Noah im Mai 2017 beim Legospielen

Stand 2017: Seit ungefähr einem halben Jahr sind unsere Regale, Kommoden, Kastln und alles was etwas höher ist als einen Meter vollgeräumt mit Theos Spielsachen. Das wäre an sich ja nichts Neues: Der Punkt ist der, dass Theo all jene Dinge, die Noah auf gar keinen Fall berühren darf, einfach in – für Noah – unerreichbaren Höhen in Sicherheit bringt. Die Idee ist ja schon mal nicht schlecht, bis auf die Tatsache, dass Theo dann vergisst, wo er die Spielsachen versteckt hat und wir mehrere Stunden pro Tag mit Suchen verbringen…

So läuft´s aktuell: Die besonders heiklen Sachen hat Theo in seinem Zimmer auf einer Kommode verstaut. Super Idee, vor allem weil so viele Sachen aus dem Wohnzimmer verschwunden sind. Nachteil: Die Spielsachen fristen auf der Kommode ein recht einsames Dasein, weil Theo oft gar nicht daran denkt, dass dort auch noch etwas steht. Trotzdem sind sie dort vor dem Bruder in Sicherheit, der mittlerweile ja schon aufrecht laufen kann.

2017: Seit Noah krabbeln kann, hat Theo Riesenangst um seine Sachen. Noah darf nichts angreifen, ohne dass ihm Theo das betreffende Ding sofort wieder aus der Hand reißt. Das geht oft so weit, dass Theo schon „Nein, Noah!“ schreit, wenn dieser sich nur ansatzweise in seine Richtung bewegt. Flo und ich sind damit ehrlich gesagt etwas überfordert. Jegliche Versuche, Theo zu erklären, dass Noah das Spielzeug nur ein paar Minuten interessiert und er sich dann eh schon wieder das nächste sucht, fruchten leider gar nicht. Es tut mir weniger für Noah leid – der steckt das alles recht relaxed weg. Aber Theo macht sich durch sein Verhalten selbst so einen Stress, dass er gar nicht richtig zum Spielen kommt.

So läuft´s aktuell: Theo ist in den letzten Monaten deutlich entspannter geworden, das war aber ein langer, für uns oft sehr mühsamer Prozess. Leider konnten wir oft nur mehr schimpfen, was die Situation nicht vereinfacht hat. Mittlerweile versteht Theo, dass Noah einfach einbezogen werden will und bringt ihm zum Beispiel ein ähnliches Auto, wie jenes, mit dem er gerade spielt. Er ist auch recht stolz auf Noah, weil der natürlich, wie sein großer Bruder, auch Skispringer werden will...;-)

Auch bei Oma und Opa wird täglich an der Sprungtechnik gefeilt.

2017:  Richtig tricky wird’s beim Lego: Theo baut mittlerweile wirklich tolle Gebilde: ein gefundenes Fressen für Noah, der klarerweise da nicht vorbeigehen kann, ohne es umzuwerfen. Was wiederum in einem großen Drama endet: Theo schreit und weint und Noah weint mit… Schimpfen bringt sowieso nix, das geht beim einen Ohr rein und beim anderen wieder raus – außerdem hat Theo ja in gewisser Weise auch recht, dass die Spielsachen ihm gehören.

Allerdings finde ich schon, dass er auch teilen lernen muss – das muss er schließlich mit Gleichaltrigen und im Kindergarten auch. Aber wie beibringen? Wir erklären viel und es funktioniert immer wieder, aber meistens eben nicht.

So läuft´s aktuell: Das mit dem Teilen läuft mal mehr, mal weniger gut. Mittlerweile ist es aber eher so, dass wir Noah erklären müssen, dass er nicht automatisch das Spielzeug haben kann, mit dem Theo gerade spielt. Von vielen Sachen haben wir tatsächlich inzwischen zwei Ausgaben, wie zum Beispiel vom geliebten TipToi-Stift. Das macht durchaus Sinn bei Dingen, die von beiden häufig genutzt werden. Lego spielt Noah derzeit auch sehr gern: Und oft bringt Noah Theo sogar auf neue  Spielideen und sie spielen gemeinsam – das sind meine Highlight-Momente, auch wenn sie nicht oft vorkommen. Schwierig ist es nach wie vor, wenn neue Spielsachen bei uns einziehen, da wird dann natürlich gestritten, wer es benutzen darf. Das gibt sich aber zum Glück nach ein paar Tagen wieder.

2017:  Gute Freunde meinten, dass es bei ihren Buben besser wurde, als der kleinere schließlich so gut sprechen konnte und der größere ihn verstanden hat. Dann hätte es auch mit dem gemeinsamen Spiel besser funktioniert. Darauf hoffe ich nun auch ganz stark. Und es wird tatsächlich auch immer besser: Theo findet es zum Beispiel schon lustig, mit Noah gemeinsam Ball oder nachlaufen zu spielen und sie tanzen auch gemeinsam, wenn wir Musik hören – da schmilzt dann das Elternherz, weil sie ja doch so süße Buben sind.

So läuft´s aktuell: Es ist wirklich so – je besser sich Noah ausdrücken kann, umso einfacher wird es für Theo, sich mit dem kleinen Bruder zu beschäftigen. Oft versteht Theo Noah sogar schon besser als wir. Letztens gerade ein Herzensmoment: Noah wacht nach dem Mittagsschlaf auf und Theo sagt zu mir „Bleib sitzen Mama, ich geh schon“ – er ist zu Noah ins Bett gehüpft und hat ihm ein Buch „vorgelesen“…besser kann es fast nicht mehr werden, oder?

 

Theo und Noah beim gemeinsamen Kuscheln und Vorlesen.

Wie so oft haben wir also gelernt: Wenn etwas hilft, dann Geduld. Ich bewundere Familien, bei denen die Kinder sehr harmonisch miteinander umgehen. Ich muss sagen, ich bin schon froh, wenn sie nebeneinander in Frieden spielen. Das Miteinander kommt vielleicht noch, wer weiß…

Was jedenfalls sehr wichtig ist für die Kinder: Exklusivzeit mit Mama und Papa. Theo genießt es, wenn Papa mit ihm alleine zum Training fährt und Noah genießt es genauso, den Vormittag alleine mit mir zu verbringen, wenn Theo im Kindergarten ist.

Sagt doch mal ehrlich: Wie ist es denn bei Euch und was hat Euch geholfen? Helfen wir uns gegenseitig!