Killerviren, Diäten und andere Monster

Skelett und Kürbis als Halloween-Deko

Die Frage der Woche lautet: Wieviel haben wir wohl in den letzten Wochen und Monaten zugenommen? Ich fürchte, unsere Freunde und Familien werden uns nicht mehr erkennen, wenn wir aus dem Flieger steigen. Wenn die uns überhaupt mitfliegen lassen, mit dem zusätzlichen Gewicht…

Nein, jetzt mal im Ernst: Würde ich dauerhaft hier in Amerika leben, hätte ich wirklich ein „gewichtiges“ Problem. Und das liegt nicht daran, dass es hier nur ungesundes Zeug gibt. Ganz im Gegenteil: So viel verschiedenes frisches Obst und Gemüse wie in den hiesigen Supermärkten hab ich noch selten gesehen. Durch das gemäßigte Klima Kaliforniens hat hier quasi immer alles Saison und ist noch dazu „regional“, hat also keine langen Wege hinter sich: Avocados, Papayas, Mangos – ja sogar Erdbeeren gibt es hier noch um dieses Jahreszeit.
Leider lauert aber auch die Versuchung hier an jeder Ecke. Viele von Euch werden das kennen: Man ist im Urlaub und will alles kosten, was es zu Hause nicht gibt. Genauso geht es mir auch. Das „Problem“ ist nur, dass unser „Urlaub“ schon drei Monate dauert. Und nur allzu oft denk ich mir „Ach was solls, wir sind nur einmal hier und auf den einen Peanutbutter/Cheesecake/Bagel/Pancake/Pommes/Burger/Donut/Cookie kommt es auch nicht mehr an.“ Und so kommt es, dass die von daheim mitgebrachte Jeans schon etwas zwickt. Und das, obwohl ich eigentlich genauso viel Sport treibe wie zu Hause auch. Aber wie heißt es so schön: „You can’t outrun a bad diet“, was soviel heißt wie „Du kannst schlechte Ernährung durch Sport nicht wettmachen“. Und so plane ich schon meine Diätoffensive für November, wenn wir wieder daheim sind und bevor dann die Weihnachtskekse auf dem Tisch stehen. Der einzige, der hier eher ab- als zunimmt ist Theo: Er wird immer dünner und das, obwohl er fast täglich Burger, Pommes oder Nudeln isst. Er wächst aber so schnell, er braucht scheinbar jede verfügbare Kalorie. Noah hat auch einen ordentlichen Appetit entwickelt und isst quasi alles. Er war nie der große Breifan und isst mittlerweile das gleiche wie wir. Bis vor drei Wochen alles anders wurde.
Lazarett bei den Danners
Plötzlich wollte Noah nicht mehr essen und wieder ausschließlich gestillt werden. Denn Noah hatte sich verkühlt. Aus dem Schnupfen wurde Husten, Fieber kam dazu und Anfang dieser Woche dann der Tiefpunkt: Schon in der Früh schrie sich Noah die Seele aus dem Leib. Es war so schlimm, dass ich schon mitweinen musste, denn mein Baby hatte hörbar Schmerzen. Ich bin mit ihm sofort zum Arzt, der schließlich eine starke Mittelohrentzündung diagnostizierte. Jetzt muss der arme kleine Mann zehn Tage lang ein Antibiotikum schlucken, was ihm natürlich gar nicht passt. Und für alle, die sich über die Rezeptgebühr von 5,70 Euro daheim ärgern: Für Noahs Arztbesuch habe ich diesmal 200 Dollar bezahlt und für das Medikament noch einmal 30. Das ist uns Noahs Gesundheit natürlich wert, aber für Menschen ohne Versicherung kann so ein Arztbesuch hier schon Existenzsorgen bedeuten. Da lernt man das österreichische Gesundheitssystem wieder sehr zu schätzen…
Mit Noah geht es seit gestern endlich wieder berauf. Er isst wieder ordentlich – heute zum Beispiel Spaghetti mit Lachs und Tomaten und ist ganz der alte Stritzi, der uns mit seinen ersten Gehversuchen auf Trab hält. Nächstes Projekt: Stillmahlzeiten reduzieren. Das nächtliche Dauerstillen hinterlässt nämlich schon deutliche Spuren auf Mamas Nerven. Dazu kommen noch die ersten Zähne, die bei Noah jetzt durchstoßen. Ein Wahnsinn, was der kleine Körper alles durchmachen muss. Mein Ziel: Abstillen, bevor der Weihnachtsmarkt daheim aufsperrt. Nach fast zwei Jahren Abstinenz hätt‘ ich mir einen Punsch verdient, finde ich. Schlussendlich wird das aber auch Noah entscheiden. Und für meine Linie wärs eh besser, wenn ich beim Tee bleibe.
Gruselig geht es weiter
Mittlerweile hat sich die Nachbarschaft hier in ein Gruselkabinett verwandelt. Halloween steht vor der Tür und die Amis übertreffen sich mit der Dekoration ihrer Vorgärten. Abgetrennte Gliedmaßen, Spinnweben, Geister – es ist für jeden was dabei. Theo hat das anfangs gar nicht gefallen und wir mussten am Heimweg jedesmal einen Umweg nehmen, um ja nicht bei diesem oder jenem Geist vorbeizukommen. Mittlerweile findet er es aber auch schon lustig, ist gerade in diesem Moment mit Papa Flo in der Nachbarschaft auf Halloween-Erkundungstour und freut sich auf die Kostümumzüge und Festlichkeiten am kommenden Wochenende.
Wie Theos erste Halloween-Parade gelaufen ist und alle Gruselfotos, gibt es dann nächste Woche hier. Der nette Herr in weiß oben links am Foto hat zumindest keine Diät mehr nötig…