Mama kann alles. Außer in Ruhe schlafen.

Oder: Stand der Dinge – Augenringe

Seid mal ehrlich: Wann seid ihr das letzte Mal in der Früh aufgewacht ohne in der Nacht zumindest einmal aufgestanden zu sein beziehungsweise von kleinen Kinderfüßen getreten oder von tapsigen kleinen Schritten geweckt geworden zu sein, die am Weg zu Euch ins Bett waren? Raus mit der Sprache! Und wehe einer oder eine kommt mir jetzt mit: „Mein Kind hat von Anfang an durchgeschlafen!“ Ich sage: LÜGE!!!!!

Na gut, diese Kinder soll es ja tatsächlich geben. Unsere Buben gehören aber fix nicht zu dieser seltenen Gattung. Das Motto unserer ersten drei Jahre als Eltern war eher: „Das sind keine Augenringe, das sind Schatten großer Taten!“

Wer braucht bitte schon ein Mittagsschläfchen?

Unser Theo hat die ersten drei Jahre seines Lebens nämlich quasi nicht geschlafen – oder so war zumindest unsere elterliche Wahrnehmung. Denn ihm hat es nicht an Energie gefehlt, ganz im Gegenteil: Den Mittagsschlaf hat er gleich einmal im zarten Alter von eineinhalb Jahren eingestampft. Ihm doch egal, dass die Mama diese Pause dringend gebraucht hätte. Gute Angestellte sind halt schwer zu finden…

Wer glaubt, dass dann wenigstens abends zeitig Ruhe war, ist auf dem Holzweg: Stundenlang ließ sich Theo in den Schlaf wiegen, singen, streicheln… Wir haben alles probiert: Auch kurz aus dem Zimmer gehen. Theo war das egal, er hat halt dann einfach allein NICHT geschlafen. Wenn er dann aber doch so gegen 22 Uhr, meist zeitgleich mit einem von uns, eingeschlafen ist, konnten wir sicher sein, dass er drei Stunden später wieder munter war. Schlafen ist ja wirklich langweilig.

Zu Theos Verteidigung sei gesagt, dass es nur wenige Nächte gab, in denen er dann tatsächlich komplett munter war und wir aufstehen mussten. Er ist zum Glück immer wieder recht zügig eingeschlafen. Und trotzdem habe ich mich während dieser Jahre oft sehr gerädert gefühlt.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dieser Zeit war, nicht hungrig mit Theo ins Bett zu gehen: Damals hatten wir noch die romantische Vorstellung eines warmen Abendessens zu zweit sobald Theo schläft. Keine gute Idee, zumal die Nerven nicht gut belastbar sind, wenn das Kind sich stundenlang weigert einzuschlafen. Überhaupt waren diese Jahre eine lehrreiche Zeit in puncto Gelassenheit.

Familienbett – es kommt DOCH auf die Größe an

Bevor wir uns für ein Leben im Haus am Land entschieden haben, haben wir gemeinsam mit Theo auf 70 Quadratmetern in Wien gewohnt. Ein tolle Wohnung, wir haben Sie geliebt. Nachteil war nur, dass das Kinderzimmer quasi mit Rigipswänden ins Wohnzimmer gebaut wurde und die Küche auch gleich nebenan war. Die Wände hätte man sich auch gleich sparen können, denn wenn im Wohnzimmer gesprochen oder in der Küche gekocht wurde, war im Kinderzimmer alles bis zum kleinsten Detail zu hören.

Nachdem Theo ohnehin schon schwer einschlafen beziehungsweise durchschlafen konnte, war das Kinderzimmer kein guter Schlafplatz für ihn. Außerdem hätte sich so auch jener Elternteil, der nicht bei Theo lag, lautlos verhalten müssen.

Und aus reinem Selbstschutz und dem großen Bedürfnis nach eigenem Schlaf, schlief Theo bei uns im Bett und entpuppte sich bald als Mega-Kuschler. Einschlafen konnte er am besten, wenn er mit Händen oder Füßen unter dem Körper von Mama oder Papa lag. Dass das Kind noch Gefühl in besagten Körperteilen hat, grenzt an ein Wunder.

Theos Motto: Je näher, desto besser. Und keine Frage: Ich liebe es zu kuscheln. Aber in der Nacht möchte ich dann doch mehr als zehn Zentimeter gepolsterten Raum für mich haben. Je größer Theo also wurde, desto weniger erholsam war unser Nachtschlaf. Man hatte entweder einzelne Körperteile oder gleich das gesamte Kind auf sich liegen.

Ich weiß nicht mehr, wer auf die glorreiche Idee gekommen ist, aber es hat uns quasi das Schlafleben gerettet: Ein Familienbett, bestehend aus einem Doppelbett UND zusätzlichem Einzelbett. Wir hatten schon immer das einfache Bettmodell MALM von IKEA in der Doppelbettausführung. Gemeinsam mit Heimwerkerking Opa wurde der Bettrahmen auf einer Seite abgeschnitten und ein Einzelbett desselbigen Modells angebaut. Mit dem Ergebnis eines 2,70 Meter breiten Familienbettes, oder anders gesagt: Drei Matratzen direkt nebeneinander – genügend Platz für drei (oder vielleicht sogar vier) Personen.

Unser Familienbett wir natürlich nicht nur zum Schlafen genutzt

Ich sags Euch: Es war so herrlich. Mama, Papa UND Theo hatten so ein eigenes Bett für sich und auch zum Beziehen ist unser Bett denkbar einfach: Es hat ja schließlich drei ganz normale Matratzen. Auf einheitliche Bettwäsche verzichten wir, sonst bräuchten wir ja immer drei in derselben Farbe. Aber ich sag‘ sowieso immer: Schöner wohnen gibts erst in zehn Jahren. 😉

ein heilloses Durcheinander – aber alle fühlen sich wohl

Und dann kam Noah…

Durchgeschlafen hat Theo natürlich trotz Familienbett nicht, aber wir hatten so zumindest die Möglichkeit, selber gut zu schlafen, sobald Theo dasselbe tat.

Mit dem Umzug ins neue Haus wollte Theo auch in seinem eigenen Zimmer, in seinem eigenen Hochbett schlafen. Das hat uns wiederum bestärkt: Jedes Kind ist anders und jedes Kind schläft irgendwann durch. Und jedes Kind möchte irgendwann aus dem elterlichen Schlafzimmer ausziehen. Man muss es nur erwarten können.

Alles änderte sich dann Weihnachten vor zwei Jahren. Unser Noah kam zur Welt und unser Familienbett war wieder voll belegt. Noah war auch in seinem ersten Jahr ein sehr unruhiger Schläfer, was sich aber mit dem Abstillen nach 15 Monaten extrem verbessert hat. Soll nicht heißen, dass das (Durch-)schlafen mit dem Stillen zu tun hat. Aber bei Noah war es halt so.

Natürlich hat Theo gar nicht eingesehen, warum er als einziger jetzt alleine in seinem Zimmer schlafen sollte und Noah bei uns im großen Bett schlafen durfte. Zusätzlich hat es uns in den letzten beiden Jahren an Routine gefehlt. Zuerst unsere viermonatige Zeit in Amerika, wo wir teilweise täglich woanders geschlafen haben. Dann war Flo im letzten Jahr einige Wochen nicht da und beide Buben haben bei mir im großen Bett geschlafen. Was Papa Flo in dieser Zeit gemacht hat könnt ihr hier nochmal nachlesen…

Schlussendlich war es so, dass Theo oft bei Oma oder Opa (wenn sie da waren) im Gästezimmer oder mit Papa auf der ausziehbaren Couch in Noahs Zimmer geschlafen hat. Theo wollte einfach nicht mehr alleine schlafen. Völlig verständlich aus seiner Sicht.

Nachdem Noah mittlerweile meistens durchschläft – vermutlich liegt es auch daran, dass wir bei ihm weit gelassener auf alles reagiert haben als beim ersten Kind, machten wir vor einigen Wochen Theo den Vorschlag, dass sie beide gemeinsam in einem eigenen großen Bett schlafen könnten. Nach anfänglichem Zweifel fand er dann die Vorstellung recht toll, nicht alleine schlafen zu müssen. Und wir waren ebenfalls begeistert. Könnte es tatsächlich sein, dass wir endlich unser Bett wieder für uns alleine haben können – nach fast sechs Jahren?

Gesagt getan: Noahs Gitterbett und die Ausziehcouch mussten ausziehen und stattdessen wurde ein großes Doppelbett angeschafft. Und  – Trommelwirbel – es klappt: Beide Kinder schlafen (meistens) gemeinsam in Noahs Zimmer durch. Gerade gestern wieder ist Noah auf Theo gelegen – ha, alles kommt zurück ;-).

Unsere Kuschelmonster – trotz eigenem Doppelbett liegen sie oft ganz eng zusammen

Flo geht mit den Kindern schlafen und schläft meist als Erster ein, beide Buben lieben es zu kuscheln. Das Familienbett darf vorerst noch bleiben: Hin und wieder schläft eins der Kinder ja trotzdem bei uns, vor allem wenn sie krank sind. Die „Streitfrage“ zwischen Flo und mir lautet momentan: Wer von uns muss sich in die Mitte legen, damit wir endlich wieder nebeneinander schlafen können?

Das Thema schlafen beschäftigt uns also schon länger. Was Thomas Morgenstern mit unserer Einschlafroutine zu tun hat, lest ihr hier…

(Müde) Stimmen anderer Eltern

Ich hab zum Thema Schlaf einmal in die Runde der anderen Mama- und Papablogger gefragt wie sie es so handhaben und ob sie denn Tipps für uns haben. Hier hab‘ ich alles für Euch gesammelt:

  1. Bettie aka „Das frühe Vogel“ hat Expertin Nora Imlau zum Thema Babyschlaf befragt. Hier findet Ihr das gesamte Interview.
  2. Caroline von „dawuschn“ sagt, dass es bei Ihnen nach wie vor jeden Tag anders zugeht in punkto Schlaf. Sie hat darüber auch einen Beitrag geschrieben, der wirklich herrlich ehrlich und amüsant ist.
  3. „Momentan ist es so, dass die Große zu 90% gern in ihrem Bett schläft und die Kleine zu 90% in der Nacht zu mir kommt“, schmunzelt Daniela aka „Die kleine Botin“. Sie hat hier Tipps für einen guten Schlaf und zum Durchschlafen gesammelt.
    Außerdem gibts bei Dani großartige Shirts und Accessoires, wenn auch Ihr zum „Team No Sleep“ gehört.
  4. Auch Steffi von „what a lovely day“ hat auf ihr Bauchgefühl gehört und sich fürs Familienbett entschieden. Den Beitrag findet ihr hier.
  5. Auf Michaelas Blog „little bee“ kommt eine Gastautorin zum Thema Aromaöle zu Wort und wie diese Öle in das Einschlafritual integriert werden können. Read more…
  6. „Ich bin so müde“, schreibt Sandra von der Lieblingsbande und gibt uns eine Bestandsaufnahme, wie es bei Ihnen lief (bzw. noch immer läuft).
  7. Zum Brüllen komisch ist der Satire-Beitrag von meiner Sister in Crime Christina von „Einer schreit immer“ – Neun Stufen der Müdigkeit
  8. „Hätte mir jemand vor drei Jahren gesagt, dass wir alle in einem Bett aufwachen werden. Jeden Tag. Hätte ich das vehement abgestritten. Sicher nicht. Das ist MEIN Bett, keine Kinder in meinem Bett. Punkt.“ Anja von „Gänseblümchen und Sonnenschein“. Mittlerweile gibt es bei Ihnen „Familienbett auf Nachfrage“ Was genau das ist, lest ihr hier.
  9. Tolle Tipps, was man beim Familienbett beachten sollte, gibt es auf Muttis Nähkästchen.
  10. Ines von „shrimpskrams“ und ihr kleiner Shrimpi haben MyHummy getestet – ein Stofftier mit Mehrwert, der hoffentlich zu mehr Schlaf führt. Hier gibt es den Erfahrungsbericht.
  11. Steffi von „Mami und ich“ schreibt: „Wir genießen das Familienbett bis heute. Eine Zeit lang hat die Maus immer bis Mitternacht in ihrem Bettchen geschlafen und kam dann zu uns, seit geraumer Zeit geht sie aber wieder bei uns schlafen. Beides ist und bleibt ok für uns.“ Ihre Geschichte aus dem Familienbett findet ihr hier.
  12. Verena aka „Mamawahnsinn hoch drei“ hat (bald) vier Kinder und deshalb jede Menge Erfahrung beim Thema Schlaf. Read more…
  13. Und Jeannine von „Mini and me“ spricht sich dezidiert  gegen Schlaflernprogramme aus. Warum? Hier geht es zu Ihrem Artikel.

 

Ihr seht also: Ihr seid nicht allein. Jede Familie hat anders mit dem Thema Schlaf zu tun. Es beschäftigt fast alle Eltern. Mein Rat: Stresst Euch nicht und schlaft gut. 😉