Meine erste Woche (fast) durchgehend in Wanderschuhen

Eigentlich ist jetzt ein blöder Zeitpunkt zu bloggen. Ich hab‘ 38 Kilometer hinter mir auf meiner heutigen Etappe und abends tut mir eigentlich alles weh – von den Schultern (Rucksack) bis zu den Zehen (Blasen). Und abends hält sich meine Motivation weiterzugehen in sehr sehr überschaubaren Grenzen.

Steh‘ ich dann nächsten Tag früh auf (so um 5 Uhr), weil wir ja spätestens um halb sieben Uhr zum ersten Mal live ins Café Puls Frühstücksfernsehen schalten, ist alles anders. Mein Team vor Ort muss mich eher zurückhalten, nicht gleich nach der ersten Liveschalte loszugehen. Irgendwie fühl‘ ich mich da wie ein hungriger Zoolöwe: Ich kreise, wenn ich weiß es ist Fütterungszeit und wenn ich dann das ganze Steak vom Zoopfleger verdrückt hab‘, reichts auch vorübergehend.

Tolle Morgenstimmung beim Start in Stans in Tirol

Ganz ehrlich: Ich habs mir trotzdem leichter vorgestellt, meine Mission im Monat vor der Wahl vom westlichsten ins östlichste Dorf Österreichs zu gehen und dabei mit Wählern über ihre Anliegen zu reden. Also, der Punkt mit Wählern reden ist die einfachste und zugleich spannendste Aufgabe. Ich bin jeden Tag völlig baff, wieviele Leute mir auf der Straße nachlaufen, vom Balkon winken, Autofahrer, die hupen, das Fenster runterlassen und „Toi toi toi“ rufen und auch die viiiiielen Menschen, die mir auf Facebook, Instagram und Twitter schreiben. Ich krieg soviele Nachrichten, dass ich auf Facebook schon nur mehr Sprachnachrichten zurückschicke – das kann ich im Gehen ganz easy tun. Beim Tippen würds mich sicher wo drüberhauen und ich würde zuviel Zeit verlieren, wenn ich mich immer zum Beantworten hinsetze.

Danke jedenfalls für die unglaublich tollen Rückmeldungen!

Der Wander-Teil an der Idee ist dafür der wirklich anstrengende: Ich weiß, ich muss täglich ungefähr zehn volle Stunden durchgehen. Wobei, genau daran sollte ich ja nicht denken. Jeder, der sich mit solchen extremen Wanderstrecken auskennt, sagt mir, das der Hauptfaktor das Mentale ist, nicht so sehr das Körperliche. Ja, alles tut weh vom Gehen, aber es ist der Kopf, der entweder aufgibt oder durchhält. Ich soll zum Beispiel nie an die ganze Strecke bis ins Burgendland denken, sondern immer nur in Tagesetappen. Noch besser wäre es, nur bis zur nächsten Verschnaufpause. Das ist aber schwierig, wenn du weißt, du solltest bis zur Nationalratswahl am 15. Oktober am anderen Ende der Republik sein. Das versuche ich aber noch auszublenden, sonst wäre ich im Tief, weil noch soviel vor uns liegt. Auch mit dem Wetter – also den frühen Schneemassen, die auf den Bergen oben liegen – beschäftige ich mich noch nicht, auch wenn ich weiß, dass ich die Tauernüberquerung nicht mehr ewig aufschieben kann.

am Arlberg wars dann doch schon recht winterlich

Gedanken an daheim
Und dann sind meine Gedanken natürlich auch daheim: Zwei Mal am Tag videotelefoniere ich mit unseren zwei Burschen und ein paar Mal auch mit meiner Frau Christina. Und wenn ich höre, das unser kleiner Noah krank ist und ich nicht für ihn da sein kann, beginnt man auch zu zweifeln, ob sich diese Mission lohnt.

Aber damit hier nicht der Eindruck entsteht, ich schwanke permanent zwischen Aufgeben und Weitermachen: Wir haben auch wahnsinnig viel zu lachen hier. Gleich am ersten Tag unsere Begegnung mit einer Fahrradfahrerin, die im knallgrünen Bademantel (!) ihre Runde gedreht hat. Oder die legendären Verständigungsproblemchen unseres Kameramanns Kai (ursprünglich ein Deutscher aus Leipzig), wenn ein Tiroler ganz tief in die Dialekt-Trickkiste greift. Und wir habens auch recht lustig, wenn wir ungläubigen Passanten begegenen, die gar nicht glauben können, dass ich wirklich zu Fuß gehe und nicht herumgefahren werde. Das Obst am Frühstückstisch im Fernsehen mag eine Fälschung sein, aber meine Blasen sind der beste Beweis, dass mittlerweile schon über 250 Kilometer durch Österreich gegangen bin.

Jedem und jeder Einzelnen, die oder der mich beglückwünscht, motiviert oder getröstet hat – ob irgendwo auf Straße oder einem Wanderweg in Tirol oder Vorarlberg oder auf Facebook, Instagram oder Twitter: DANKE!!!

gut „gelandet“ in Innsbruck