Sackerl fürs Sackerl oder warum wir Oma verloren haben

Oma im Central Park

Nach fünf Wochen in Jersey City – Herrschaft, die Zeit vergeht viel zu schnell – müssen wir unsere Wohnung räumen. Denn bis Anfang Oktober haben wir nun ein Apartment in Weehawken gemietet.

Das ist ein Städtchen etwas weiter nördlich, auf Höhe des Empire State Buildings. Eine sehr schöne Wohngegend. Aber ein bisschen traurig sind wir schon: die Gegend rund um die alte Wohnung war perfekt – tolle Restaurants, Geschäfte, Parks, Spielplätze – aber Abwechslung tut uns gut und deshalb packen wir mal wieder unsere Koffer.
Meine Güte, dass man in fünf Wochen derartig viel (Spiel-)Zeug anhäufen kann ist schon eine Leistung. Ich hab euch ja schon von Theos Ball-Wahnsinn erzählt – nicht ganz platzsparend. Aber NOCH haben wir keinen zusätzlichen Koffer kaufen müssen…Der Taxler ist jedenfalls leicht überfordert mit uns fünf und unseren unzähligen Koffern und Sackerln. Hätt uns die Polizei erwischt, derartig überladen, ich glaub, der hätt seinen Führerschein nie wieder gesehen.
Apropos Sackerl: Wenn ihr glaubt, der Sackerl-Wahnsinn hätte in österreichischen Lebensmittelgeschäften schon seine Spitze erreicht, habt ihr noch nie in einem amerikanischen Geschäft eingekauft. Da blutet einem das umweltbewusste Herz. Denn hier wird quasi jedes einzelne Lebensmittel in ein extra Plastiksackerl gepackt und in vielen Geschäften gibt es sogar Sackerl im Sackerl – das erste könnte ja durchreißen…
Sagt man, dass man kein Sackerl brauche, erntet man nur ungläubige Blicke. Manche Sackerl nehmen wir allerdings doch mit nach Hause, die werden dann weiterverwendet als „Sackerl für Noahs Gackerl“…;-) Die Stinkewindeln müssen extra verpackt werden, denn die Mülltonnen stehen in der prallen Sonne vor der Haustür und wir wissen, was das für geruchsempfindliche Nasen bedeutet. Die Müllabfuhr kommt hier einmal pro Tag. Und zwar nicht (nur) wegen dem unglaublich vielen Müll, sondern weil seit den Terroranschlägen jegliche theoretische Aufbewahrungsmöglichkeit für Sprengsätze regelmäßig kontrolliert werden muss – so auch die Mülltonnen.
Bei uns im Heimatdorf kommt die Müllabfuhr einmal im Monat – das ist für einen 4-Personen-Haushalt mit einem Windelkind schon eine ziemliche Zumutung, aber dort ist dafür auch die Terrorgefahr nicht so akut…;-)
Auch spannend: Die Müllabfuhr kommt hier mitten in der Nacht, vermutlich, um so den Verkehr nicht aufzuhalten. Da sind wir das erste Mal ordentlich aufgeschreckt, als um 3 Uhr früh die Tonnen entleert wurden.
Jedenfalls haben wir den letzten Tag in Jersey City im riesigen Shopping Center verbracht, da Shoppen in New Jersey wegen niedrigeren Steuern wesentlich günstiger ist als in New York. Und dort haben wir dann glatt die Oma verloren. Es war/ist ja immer mein größter Albtraum, Theo irgendwo in New York zu verlieren und hab ihm deshalb eingebläut, dass er immer in Sichtweite bleiben muss. Außerdem hat er immer unsere Kontaktdaten in der Hosentasche – er kann ja noch nicht so gut englisch und dann kann er im Notfall zumindest den Zettel herzeigen.Aber dass wir dann nicht Theo sondern die Oma verloren haben, ist schon ein starkes Stück. Dazu muss man wissen, dass Orientierung nicht die größte Stärke meiner Mama ist. Daher haben wir auch ausgemacht, dass wir restlichen vier uns nicht von der Stelle bewegen, während Oma die Toilette im dritten Stock der Mall aufsucht. Sie muss dazu nur zwei Rolltreppen benutzen. Natürlich nimmt sie zum Klogehen kein Handy mit. Und natürlich nimmt sie am Rückweg andere zwei Rolltreppen. Als sie nach einer halben Stunde immer noch nicht wieder zurück ist, werden wir doch etwas unruhig und gehen Oma suchen. Und irgendwann finden wir sie auch wieder. Sie wollte uns gerade ausrufen lassen. Herrlich, wenn ich mir vorstelle, wie es durch die Lautsprecher dröhnt: „Oma Waltraud kann jetzt im Kinderland abgeholt werden!“