Theo muss zum Heer

Unser Theo wird in ein paar Tagen 6 (in Worten SECHS) Jahre alt. Ein ganz besonderes Alter. Für Theo natürlich ein Mega-Ereignis, auf das er schon die letzten Wochen, nein, Monate, hinfiebert. Für uns Eltern ist diese Zeit aber auch mit Wehmut verbunden.

Flo und ich reden oft über „damals“. Da fallen Sätze und Fragen wie „Was haben wir eigentlich die ganze Zeit gemacht, als wir noch keine Kinder hatten?“ Oder: „Weißt du noch, wie hysterisch wir beim Heimfahren vom Krankenhaus nach Theos Geburt waren? Vor jedem Kanaldeckel hast du abgebremst, damit das Auto möglich ruckelfrei fährt.“ Es gibt mittlerweile so viele schöne Erinnerungen von unseren Burschen, dass wir daherreden, wie uuuuuralte Leute. Wobei, Menschen über dreißig waren für mich als Kind ohnehin schon fossil. Dabei find‘ ich, wir sind eigentlich noch recht knackig. 😉

Jedenfalls muss ich mich anlässlich Theos Geburtstag ganz oft an die große Aufregung erinnern, die 16 Tage nach Theos Geburtstag geherrscht hat. Nämlich, als Theo seinen Stellungsbescheid fürs Bundesheer bekommen hat.

Ein Brief mit Folgen

Moment. WAASSS? Wird sich jetzt manch einer von euch denken. Einen Einberufungsbefehl zum Bundesheer mit 16 Tagen? Genau so war es. Aber von vorne: Ihr wisst ja, wie die ersten Tage und Wochen mit einem Neugeborenen sind. Chaos pur. Sowohl der Haushalt als auch die Gefühlswelt wird auf den Kopf gestellt. Ich also im Wochenbett im Hormonwahnsinn, wir beide völlig übernächtigt wegen des kleinen Mitbewohners, den wir da plötzlich rund um die Uhr anstarren und mit Liebe überschütten wollten. An Theos 16. Lebenstag also läutet es vormittags an der Tür. Wir, völlig verschlafen, weil Theo uns nach dem morgendlichen Stillen immer noch bis 11 schlafen ließ, öffnen dem sichtlich amüsierten Postler die Tür. Der hat nämlich einen eingeschriebenen Brief für unseren Theo und grinst schon über das ganze Gesicht und meint: „Na, das wird lustig…“ Etwas irritiert nimmt Flo den Brief für Theo entgegen und öffnet ihn. Einige Minuten verstreichen, in denen Flo Gesichtsausdruck von völliger Verwirrung, über großes Erstaunen reicht, bis er schließlich schreit: „Das gibt es nicht, das musst du lesen.“

Der besagte eingeschriebene Brief kommt nämlich von der Stellungskommission und darin steht, dass unser Theo sich doch bitte zur Stellung beim Bundesheer einfinden möge, da er den verpflichtenden Wehrdienst noch nicht absolviert habe. Hä? Die fangen aber früh an. Wir nehmen die offensichtliche Verwechslung mit Humor und ich sage: „Poste den Brief doch bitte auf Facebook, damit unsere Freunde auch was zum Lachen haben.“ Mehr nicht. Gesagt getan und ein paar Minuten später ist das Posting auf Flos Facebook-Seite.

Pressewirbel und ein Lied

Was wir in unserer grenzenlosen Naivität nicht bedacht haben: Dass dieses Posting mit dem Stellungsbescheid für unser Baby binnen Minuten derart große Wellen schlägt, dass plötzlich Flos Handy nicht mehr stillsteht. Als erstes ruft ihn Michael Jungwirt an, ein Bekannter, der Innenpolitikchef der Kleinen Zeitung und mit Flo auf Facebook befreundet ist. Die Kleine Zeitung bringt die Geschichte sofort online und quasi alle Tageszeitungen des Landes springen auf und wollen darüber berichten. Oh Gott, was für eine Aufregung. Ich bin in meinem Hormonchaos dem überhaupt nicht gewachsen und breche in Tränen aus: Damit hab‘ ich nicht gerechnet. Wir wollen doch unser Kind nicht in der Zeitung herzeigen. Schon will der Kurier einen Fotografen zu uns schicken. Das geht alles viel zu schnell. Flo organisiert alles, er kennt ja die meisten Kollegen vom Job. Foto können gerne gemacht werden, allerdings nur zu unseren Bedingungen und zu der von uns gewählten Zeit – also dann, wenn Säugling Theo sicher nicht essen oder gewickelt werden will. Ich atme durch. Der Fotograf kommt und ich denke damit ists jetzt erledigt. Flo gibt noch ein paar Interviews per Telefon und das wars – zumindest glauben wir das.

Am nächsten Tag holt Flo frisches Brot vom Bäcker – und zu unserer Verwunderung liegen dort schon die Tageszeitungen auf, die die Geschichte sogar auf Seite 1 gehoben haben. Innen drinnen sind wir in fast allen Tageszeitungen, erfahren wir im Lauf des Tages. Und unser liebster Lieblingsradiosender Life Radio in Oberösterreich, da wo sowohl Flo als auch ich einmal gearbeitet haben, verpackt die Story sogar in einen Song. Hier könnt ihr das Meisterwerk von Georg Duschlbauer nachhören. 😉

Erste Zeitungsartikel schon am nächsten Morgen – hier zum Beispiel im Kurier

Hoher Besuch

Für mich als frisch gebackene Mama war das damals alles wahnsinnig stressig und aufregend, nie zuvor gab es so einen Wirbel um uns. Und mit einem Baby, dass man sowieso vor allem und jedem schützen möchte, war das der absolute Wahnsinn. Obwohl man sagen muss, dass Theo der ganze Trubel herzlich egal war. Er hat ohnehin das meiste davon verschlafen.

Die Geschichte ist hier aber noch nicht zu Ende. Nachdem die Story nun in den Medien so eine Resonanz erzeugt hat, bekommt Flo einen Anruf aus dem Verteidigungsministerium, mit der Einladung zu einem Frühstück beim damaligen Verteidigungsminister Norbert Darabos.

Eine Einladung eines Ministers kann man doch nicht ausschlagen. Also brechen die Danners auf, um den jüngsten Rekruten der österreichischen Geschichte dem Chef vorzustellen. Im Ministerium angekommen erwarten uns schon wieder Pressevertreter und Fotografen, obwohl eigentlich vereinbart war, dass keine Medien dabei sind. Aber so eine lustige und eigentlich positive Geschichte möchte die Pressestelle des Ministers natürlich auch nutzen. Wieder weisen wir darauf hin, dass wir unser Kind nicht zeigen wollen, was wirklich von allen Fotografen ausnahmslos eingehalten wird. Und so sitzen wir drei Danners beim Minister Darabos auf ein Osterfrühstück und Theo schläft selig auf meinem Arm. Als kleine Wiedergutmachung bekommt er ein eigens auf seine Größe von der Heeresschneiderei geschneidertes Bundesheerkapperl und wir verbringen einen netten Vormittag im Verteidigungsministerium, wo wir so schnell vermutlich nicht hingekommen wären.

Am nächsten Tag lachen wir vom Titel der auflagenstärksten Zeitung des Landes – auch eine Ehre, die uns wahrscheinlich so schnell nicht mehr zu teil wird… 😉

 

Die Danners am Cover der Kronen Zeitung – wer hätte das gedacht?

Einladung ins Verteidigungsministerium, Minister Darabos ganz rechts
Foto: Bundesheer/ Peter Lechner

Wie kam’s?

Noch heute, sechs Jahre später, sprechen uns immer wieder Leute auf die Geschichte von damals an – darum und auch für uns zur Erinnerung wollte ich sie schon länger hier niederschreiben. Wie es zu dem Stellungsbefehl eigentlich kam, wissen wir bis heute nicht.

Vermutlich wurden die Geburtsjahre von Flo und Theo vertauscht und da sie keinen Theo Danner mit Geburtsjahr 1983 finden konnten, wurde möglicherweise angenommen, dass es sich hier um einen Deserteur handeln muss. 😉 Wie auch immer, wir werden die aufregenden ersten Tage von Theos Leben nicht vergessen – der Medienrummel war aber vielleicht schon ein Training auf das, was uns erwartet, wenn Theo einmal Rockstar, Nobelpreisträger oder ein weltberühmter Skispringer wird. Aber dazu dann demnächst mehr…

 

Und hier noch ein paar Presseausschnitte:

Tageszeitung Österreich

im Neuen Volksblatt

Kronen Zeitung

Titelblatt Tageszeitung Österreich