Vom Bobfahren, Schwarzfahren und Heimfahren

Theo fährt Bob auf einem Karton

Bobfahren bei 25 Grad und Sonnenschein? Das wär mal was, oder? Hier in San Francisco ist das möglich, ganz ehrlich. Naja: Schnee liegt hier keiner und der „Bob“ ist flach und braun, aber es macht mindestens genau so viel Spaß und es geht ganz ohne erfrorene Zehen…

Die Oma, die Buben und ich machen uns auf den Weg in den Golden Gate Park, einem großen Park an der gleichnamigen, weltberühmten Brücke. Es ist
eine kleine Weltreise mit den Öffis von unserem Apartment in Oakland, aber von unserer letzten Reise nach San Francisco wissen wir, dass der Spielplatz in diesem Park einfach unschlagbar ist.
Über 100 Spielplätze gibt es in der Stadt und wir wollen so viele wie möglich ausprobieren, denn Theo hat eine neue Leidenschaft für Rutschen entdeckt. Und auch Noah hat schon Spaß daran: Auch wenn mir jedes Mal ein bisserl schlecht wird, wenn Noah auf Theos Schoß durch eine Tunnelrutsche flitzt. Aber die beiden haben Spaß und ich den Vorsatz, nicht mehr so hysterisch zu sein. Naja, wir werden sehen…
One Hell of a Ride
Jedenfalls machen wir uns auf den Weg zum Golden Gate Park: Dazu müssen wir zuerst von unserem Apartment mit dem sogenannten BART, so heißt die hiesige U-Bahn, nach San Francisco und von dort dann mit der Straßenbahn, der sogenannten MUNI, weiter. Für beides braucht man unterschiedliche Tickets, die wir selbstverständlich am Automaten kaufen. Im Park angekommen ist die Freude groß. Der Spielplatz hat die besten Rutschen, die wir bisher erlebt haben: Zwei steile, lange Betonwannen winden sich einen Hügel hinunter. Einziges Problem: keine Hose dieser Welt würde so eine Abfahrt überstehen. Daher liegen schon große zerlegte Kartonschachteln bereit, auf die sich die Kinder (und auch die meisten Erwachsenen) zum Rutschen setzen können. Die Kinder schleppen dazu noch kiloweise Sand als Beschleuniger rauf auf die Rutsche und ab geht die Post: Wie in der Bobbahn sausen wir auf den Pappendeckeln die Hügel hinunter. Was für ein Spaß! Rauf und runter, rauf und runter – den ganzen Nachmittag. Erst als die Sonne untergeht machen wir uns auf den Heimweg. Retour geht es wieder mit der Straßenbahn und prompt geraten wir in eine Fahrscheinkontrolle. Tickets haben wir ja – allerdings nur für den Hinweg, wie uns die nette Frau Kontrolleurin erklärt. „Zum Glück“ haben wir zwei quengelige Kinder dabei und die Frau lässt uns ungestraft weiterfahren weil wir ja augenscheinlich nicht von hier sind. Noch nie war ich so froh über meinen österreichischen Akzent. Erleichtert machen wir uns auf zur U-Bahn und steigen schnurstracks in den falschen Zug ein. Bemerken tun wir das freilich erst viele Stationen weiter: mit den Kids reicht meine Aufmerksamkeitsspanne gerade mal bis zu Theos offenen Schuhbändern…Jedenfalls reicht es Noah inzwischen und er beginnt zu weinen: Eine Rückfahrt mit der U-Bahn ist also ausgeschlossen und ich beschließe, dass es nun an der Zeit ist, dass wir uns ein Taxi gönnen. In Amerika fährt man allerdings nicht mehr Taxi sondern „Uber“.
Was bitte ist ein Uber?
Für Menschen wie mich, die sich nicht mit den neuesten Apps und Innovationen beschäftigen, ist das Uber-Ding sehr faszinierend. Via App wird dein Abfahrts- und Zielort ermittelt und der nächstgelegene Fahrer wird verständigt. Alles, sogar Trinkgeld erfolgt bargeldlos über die App. Mittels Bewertungen kann man entscheiden, ob man diesen Fahrer möchte oder lieber auf den nächsten wartet. Wir warten nicht mal fünf Minuten, als unser Wagen vorfährt. Um gute Bewertungen bemüht, ist auch dieser Fahrer sehr freundlich und hilfsbereit. 17 Minuten später – die Fahrt kann in der App mitverfolgt werden – sind wir zu Hause. Völlig geschafft von diesem aufregenden Tag.
Kinder, wie die Zeit vergeht
Jetzt sind es noch genau zwei Wochen, bis die Jungs, die Oma und ich den Heimweg antreten. Flo bleibt noch bis zur Präsidentschaftswahl in den USA während wir schon mal zurück nach Österreich fliegen. Ich glaube ja, er macht das nur, damit er sich nicht mit dem Jetlag der Kinder herumschlagen muss…;-)
Ganz ehrlich? Ich freu mich schon auf unser Zuhause. Auf das eigene Bett, auf Schwarzbrot, auf Freunde und Familie. Am meisten freut sich aber Theo auf seine Freunde daheim, mit denen er ohne Sprachbarriere reden und spielen kann, auf seine vielen Spielsachen (die nach so langer Zeit wieder sehr interessant sind), auf die daheim gebliebenen Großeltern, auf den Kindergarten und das bevorstehende Laternenfest.
Worauf ich mich weniger freue? auf unsere Waage. Doch dazu ein andermal mehr…