Von Bomben, Schüssen und einem Arztbesuch

Skyline von Manhattan mit Vollmond

Viele, viele Nachrichten und Anrufe erreichten uns in letzten Tagen: „Geht es euch gut?“, „Hab von den Explosionen in Manhattan gehört, seid ihr eh nicht dort?“, „Alles okay bei euch?“

Ja, es geht uns gut und nein, wir waren zum Glück nicht in der Nähe der Explosionen, die sich vergangenen Samstag in Manhattan ereignet haben. Wenn hier etwas passiert, merkt man das vor allem am unglaublich lauten Sirenengeheul und an den unzähligen Hubschraubern der Fernsehstationen, die plötzlich in der Luft sind. Hier scheint jeder Pipifax-Fernsehsender einen Hubschrauber zu besitzen, aber bei einem Markt von 319 Millionen potentiellen Zuschauern und Zuschauerinnen zahlt sich vermutlich so ein Heli schon aus. Auch Flo ist seither Tag und Nacht im Dauereinsatz, um für die Nachrichten daheim zu berichten.
Überhaupt haben wir ein, für meinen Geschmack zu dramatisches Wochenende hier hinter uns. Am Freitag war ich mit den Kindern und der Oma gerade in einem der vielen Souvenirgeschäften in Manhattan, als die Besitzerin ihren Mitarbeitern plötzlich zuruft, sie sollen sofort die Türen versperren. Wir waren zu diesem Zeitpunkt die einzigen im Laden und somit etwas verunsichert: Warum werden wir inmitten kleiner Freiheitsstatuen und „I love New York“-T-Shirts eingesperrt? Als die Frau dann noch von „gun shots“, also Gewehrschüssen spricht und zeitgleich draußen mehrere Einsatzwagen mit Blaulicht vorbeirasen werden wir nervös. Ich schnappe meine Familie und wir verschwinden durch den Hintereingang weg von dem Trubel. „Warum können wir nicht hingegen und zuschauen“, fragt mich Theo während ich ihn in die andere Richtung zerre. Ganz der Papa…
Später lese ich, dass ein Mann ausgerastet ist weil er eine Parkkralle bekommen hat. Er ist dann mit einem Messer auf die Beamten losgegangen und die Polizisten haben schließlich auf ihn geschossen.

Flo und Christina mit Noah im Wartezimmer

Am Samstag dann das nächste Drama: Noah hat Fieber, isst nicht mehr und ist ganz unleidig. Wir befürchten, dass er sich bei dem ständigen Heiß-Kalt durch Hitze und Klimaanlage erkältet hat. Da Theo schon in jungen Jahren von Mittelohrentzündung geplagt war, wollen wir Noah zur Sicherheit untersuchen lassen. Jetzt ist das ja so eine Sache: Wo finden wir jetzt einen guten Kinderarzt oder Kinderärztin? Noch dazu am Wochenende? Da den Amis das Wochenende in diesem Fall nicht heilig ist, haben auch die Ordinationen hier geöffnet. Und dank einer App finden wir ums Eck gleich einen Kinderarzt. Nach einem Formular-Ausfüll-Marathon und um 80 Dollar leichter (die man gleich mal beim Reingehen bezahlen muss), wird Noah von einer Sprechstundenhilfe das Fieber gemessen und die verabreicht ihm auch gleich ein fiebersenkendes Medikament, damit er dann „fieberfrei ist, wenn er untersucht wird.“ Hä? Scheinbar wollen sie im Wartezimmer lieber gut sedierte und damit ruhige Kinder…

Hinter der Glaswand sehen wir meterhohe Patientenakten gestapelt – von Digitalisierung sind wir hier noch weit entfernt. Oma: „Das schaut ja aus wie in den 50ern.“ Meine Nerven sind am Ende.

auf diesem Sessel darf scheinbar nur der Arzt sitzen…

Nach einer langen Wartezeit bringt man uns ins Untersuchungskammerl – ein winziger Raum, mit einer Liege und einem Hocker, auf dem NUR der Arzt sitzen darf – nicht auszudenken, was passiert, wenn wir uns da drauf setzen.

​​Der Arzt ist dann aber wirklich sehr nett, und kompetent, untersucht Noah sehr gründlich und stellt zum Glück keine Entzündung von Ohren oder Hals fest. Vermutlich eine Verkühlung durch das permanente Zahnen. Wir sollen zur Sicherheit aber noch warten und Noahs Harn anschauen lassen. Nach einer Stunde ohne einen Tropfen Pipi von Noah schickt uns der Arzt mit einem Becherl zum späteren Auffangen nach Hause. Ich hoffe inständig, dass wir den nicht brauchen…
Zum Glück gehts Noah inzwischen wieder besser und für die nächste Zeit wünsch ich mir bitte wieder etwas mehr Langeweile, Frieden und weniger Bomben und Granaten.