Wenn Mandeln und Polypen rausmüssen – Mama und Papa berichten

Das war also so eine Woche, in der wir alle ziemlich mit uns selbst beschäftigt waren. Und es war eine der emotionalsten Wochen als Familie. Theo war zur Mandel-Operation im Krankenhaus. Also, um genau zu sein: Theo wurden die Polypen rausgenommen und die Mandeln gekürzt, weil er beim Einschlafen immer wieder Luftprobleme hatte und mehrere Ärzte das dringend empfohlen haben. Glücklich waren wir darüber nicht. So eine OP ist ja keine Kleinigkeit. Und Mama und Papa haben keine allzu guten Erinnerungen an ihre Mandel-OPs vor gut 25 Jahren. Es hat sich aber in diesem Vierteljahrhundert seit wir im Volkschulalter waren doch ein bissl was getan in der Medizin. So werden, wie uns die Ärzte sagen, Mandeln mittlerweile hauptsächlich gekürzt und nicht vollständig entfernt, damit die Schutzfunktion der Mandeln an sich weiterhin aufrecht bleibt. Außerdem wird heute nicht mehr geschnitten sondern gelasert – soweit zumindest die Erklärung der Mediziner, die wir mehrfach gehört haben.

Wir wissen also: Es ist ein Routineeingriff. Es ist schnell wieder vorbei. Und es wird Theo danach mit dem Atmen beim (Ein-)Schlafen viel besser gehen. Wir beschließen im Familienrat, dass Theo und Mama für voraussichtlich drei Tage ins Krankenhaus gehen, Noah und Papa die Versorgung von außen übernehmen und daheim bleiben. Soviel zum Rationalen. Der Hund an der Sache: Jetzt kommt ja noch das Emotionale dazu. Und das haben wir Erwachsenen ein bisschen unterschiedlich erlebt.

Aus Mamas Sicht (vor der OP):

Leute, ich sags Euch: letzte Woche hatte ich mit Abstand die schwersten Stunden meines bisherigen Lebens. Ja, ich weiß, so eine Mandel-OP ist mittlerweile ein Routineeingriff, aber wenn man dem eigenen Kind zusehen muss, wie es in den OP geschoben wird und absolut hilflos daneben steht, wenn es aus der Narkose erwacht, ist das ganz, ganz schlimm.

Gleich mal ein Tipp vorweg: Holt euch immer eine zweite Meinung ein, wir haben mittlerweile schon öfter gehört, dass eine Allergie durchaus die gleichen Symptome auslösen kann und daher solltet ihr unbedingt vorab einen Allergietest machen.

Theo ist nicht allergisch und um ihm in Zukunft das Leben zu erleichtern, haben wir uns für die OP entschieden.

Ein Glück war dabei, dass ein Kindergartenfreund von Theo in derselben Situation ist und Theo ganz stolz erzählt hat, dass die Mandeln mit einem Laser geschnitten werden – damit war die Angst weg und sie fühlten sich beide wie Superhelden…

Für alle, die es noch vor sich haben können wir dieses Buch empfehlen, das es in der Onlineversion hier gibt. 

Wir haben uns für die Uniklinik in St. Pölten entschieden – einfach aus dem Grund, weil wir hier nicht Monate lang auf einen Termin warten mussten.

Am Tag vor der OP müssen wir schon um 8 Uhr morgens im Spital sein, alles ist aufregend für Theo. Wir laufen also von einer Station zur nächsten – bis hin zur Anästhesie, wo Theo die Narkose so gut wie möglich erklärt wird. Die einzige Sorge, die er hat, ist die Kanüle, die er in den Arm bekommt, aber selbst das wird erst gemacht, wenn das Kind schon einschläft vor der OP. Und zusätzlich bekommen die Kinder noch sogenannte „Zauberpflaster“ – die Armbeugen werden mit einer Salbe lokal betäubt, sodass der Einstich nicht mehr weh tut.

Theo ist begeistert vom Krankenhaus, vorallem deswegen, weil es eine Spielecke auf der Station gibt und einen Fernseher im Zimmer… 😉

das beste am Krankenhaus: viel kuscheln und fernsehen

Am Abend vor der OP erfahren wir, dass Theo in der Früh gleich als erstes dran kommt. Theo schläft in der Nacht vor der OP wie ein Stein, ich selbst tu’ kein Auge zu, zu groß ist die Aufregung und die Zweifel, ob wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

 

Aus Papas Sicht:

Noah und ich nehmen uns also vor, Theo und Mama so oft wie möglich im Spital zu besuchen. Nachdem die zwei schon außer Haus sind, bevor wir überhaupt aufstehen, genießt Noah die volle Aufmerksamkeit beim Aufstehen, Anziehen, Frühstücken und Zähneputzen. Als ich ihn für den Vormittag in den Kindergarten bringe, erleben wir schon die erste Veränderung. Noah weint auf einmal beim Reingehen, was er eigentlich längst nicht mehr tut. Der Kindergarten liebt er mittlerweile fast wie sein zweites Zuhause. Aber da merkt wohl jemand eine gewisse Anspannung.

Nach dem Mittagsschlaf hol’ ich ihn wieder ab – es war alles gut und Noah freut sich euphorisch auf den „Tuuuu, tuuuu“, also den Zug, mit dem wir – wie beim Frühstück besprochen – Theo und Mama im Krankenhaus besuchen. Davor holen wir noch das aktuelle Highlight der Burschen bei jedem Einkauf – ein Dreh&Trink-Cola (für alle Moralapostel: Ja, da ist Zucker drinnen, aber nein, natürlich kein Koffein, keine Kohlensäure) – und Noah hat die größte Freude, Theo sein Flascherl am Krankenbett zu geben. Wir stellen die Spielecke im Krankenhaus auf den Kopf und drücken Theo am Abend noch einmal ganz fest, bevor wir gehen. In ein paar Stunden wird Theo operiert – das ist kein gutes Gefühl. Noah freut sich auf eine Nacht allein mit Papa im großen Bett, ich kann – no-na-ned – nicht einschlafen.

 

Aus Mamas Sicht (Bei der OP):

Um 6:30 Uhr kommt die Krankenschwester und misst noch einmal Theos Temperatur und lässt uns ein Becherl mit Beruhigungssaft da, den Theo eine halbe Stunde später nehmen muss – zur Vorbereitung auf die OP.
Mein Gott, bin ich nervös – ich könnt mich übergeben. Ich bleibe so ruhig wie möglich und wir lesen noch ein paar Geschichten. Noch Zähneputzen und Theo zieht voller Stolz seinen OP-Pyjama an.

Um kurz vor sieben gebe ich ihm den rosa Saft, Theo meint, der ist voll eckelig, obwohl er eigentlich recht gut riecht und wir lesen weiter im Dinosaurier-Buch. Schon 15 Minuten später entspannt sich Theo und die Augen fallen ihm immer wieder zu. Auch das Sprechen fällt ihm schwer – ich fühle mich elend, bin aber froh, dass der Saft Theo beruhigt und er so keine Angst haben muss.

Schließlich werden wir abgeholt: Theo fahrend im Bett, ich laufe nebenbei her. Im Vorraum des OP müssen wir noch warten, bis alles fertig ist, dann trägt ein Pfleger Theo rein. Ich sehe noch, wie Theo sich eine grüne OP-Haube aussuchen darf, dann schließen sich die Türen – und ich fange an zu weinen.

Die schlimmsten eineinhalb Stunden meines Lebens beginnen. Denn ich kann nur warten. Eine andere Mama sagt mir, ich solle noch etwas essen und einen Kaffee trinken, damit ich danach Kraft habe, Theo notfalls herumzutragen, wenn er das will und ich ja erst wieder etwas essen könne, wenn Theo auch darf. Ich würge also eine Marmeladensemmel runter und warte.

mein Ausblick für die nächsten 90 Minuten

Schon vorab hat die Anästhesistin mir gesagt, dass die Aufwachzeit bei Kindern nach der Narkose ganz unterschiedlich lange dauert und ich draußen vorm OP nicht ausflippen solle, wenn es länger dauert. Leichter gesagt, als getan. Nach einer Stunde könnte ich druchdrehen. Doch dann geht die OP-Tür auf.

 

Aus Papas Sicht:

Das Beunruhigendste für mich: Ein Anruf, bei dem ich Theo im Hintergrund nur jammern und weinen höre. Ich hab’ Noah für zwei Stunden in den Kindergarten gebracht, muss aber nicht in die Arbeit und bin Laufen gegangen, um ein bissl auf andere Gedanken zu kommen. Mit den Handy permanent in der Hand les’ ich nach jedem Laufkilometer eine Whatsapp von meiner Frau: „Noch nicht aus dem OP heraußen“.

Der Anruf kommt genau, als ich bei meinem zwei laut-bellenden „Lieblings“-Hunden irgendwo bei einem Bauernhof vorbeilaufe. Was Christina gesagt hat, weiß ich nicht mehr. Nur mehr wie Theo im Hintergrund geklungen hat. Das war nicht sehr erbaulich.

Meine Frau ruft wieder an, als Theo mit Schmerzmitteln wieder eingeschlafen ist. Diesmal klingt sie nicht gut. Auch das ist wenig erbaulich. Noah macht bei mir daheim sein Mittagsschläfchen. Ich kann nicht ins Krankenhaus. Daheim kommen wir uns also einfach hilflos vor. Sobald Noah wieder wach ist, wollen wir ins Spital.

 

Aus Mamas Sicht (Nach der OP):

Als Theo herausgeschoben wird, weint und jammert er bitterlich. Er schreit mich an: „Das hat voll weh getan!“ Er ist furchtbar wütend und aufgebracht. Ganz normal nach der Narkose, sagt man mir. Die Kinder sind da noch nicht ganz da und reagieren ganz unterschiedlich. Ich weine jedenfalls mit Theo, so hilflos fühl’ ich mich. Ich halte ihn ganz fest, trage ihn durchs Zimmer und versuche, einfach nur da zu sein – mehr kann ich nicht tun. Der Pfleger bringt uns eine Infusion gegen die Schmerzen und kühlende Auflagen für den Hals. Theo schläft wieder ein und ich heule ins Telefon.

Theo nach der OP

Die nächsten Stunden ist Theo sehr schläfrig und wir kuscheln viel. Es wird aber von Stunde zu Stunde besser und dank Schmerzmitteln kann er auch bald wieder trinken und essen.

Tipp: Auf der Station steht ein Kühlschrank, wo man mitgebrachte Getränke und Speisen einkühlen kann. Die Kinder sollen nach der OP vor allem Kühles und Weiches essen: Also Eis, Fruchtzwerge, Joghurt, alles was das Kind gerne isst und trinkt – das darf auch mal sein. Theo isst nicht viel, aber zumindest ein paar bisschen weißes weiches Brot und Joghurt. Und dank Noah trinkt er ein Dreh- und Trink – es geht bergauf.

Aus Papas Sicht:

Noah und ich sind eher die unwillkommenen Gäste. Obwohl Noah jedes Mal jubelt, sobald ich ihn frage, ob wir Theo im Spital besuchen – Theo dürften wir mit unserem Besuch ziemlich stressen. Am Tag der Operation leg’ ich mich also zu ihm aufs Krankenbett und lass’ mir erzählen, wie ers erlebt hat. Noah (der kleine Bruder, der ihm sonst die volle Zuwendung und Aufmerksamkeit ein bissl stehlen könnte) spielt währenddessen mit Mama in der Spielecke des Krankenhauses.

Theo hat keinen Gusto auf die vielen Eissorten, die wir (oder besser gesagt Noah) ihm beim Supermarkt ums Eck ausgesucht und mitgebracht haben – er will Spaghetti Bolognese, sagt er. Das geht laut Krankenschwester noch nicht. Aber sie sagt, morgen könnten wir ihm einen Cheeseburger mitnehmen. Nachdem die Fastfoodkette mit dem großen M auf der Hitliste unserer Burschen recht weit oben steht, bringen Noah und ich also am Tag 2 nach der OP ein Happy Meal mit. Damit machen wir uns kurz beliebt. Theo ist trotzdem froh, als wir jeden Abend wieder gehen. Die ungeteilte Aufmerksamkeit der Mama, die natürlich nicht da ist, wenn Noah und Papa auch im Zimmer sind, sei ihm gegönnt. Ein bissl schade finden wirs trotzdem, weil sich Noah eigentlich so herzhaft freut, wenn er Theo im Spital besuchen darf. Aber die gegenseitige Bruderliebe wird schon wieder zurückkommen.

 

Aus Mamas Sicht (Post-OP-Genesung):

Es ist unglaublich, wie schnell Kinder so einen Eingriff wegstecken. Sicher muss Theo noch regelmäßig Schmerzmittel nehmen und vor allem morgens tuts noch einige Tage lang ziemlich weh. In der Nacht trocknet der Mund aus und darum schmerzt es in der Früh noch am längsten, sagen uns die Mediziner. Trotzdem würde Theo am zweiten Tag nach der OP schon gern mit Maxi, seinem Kindergartenfreund, der uns mit seiner Mama im Krankenhaus besuchen kommt, herumtoben. Darf er aber nicht: Laufen und springen ist mindestens zehn Tage lang wegen der Nachblutungsgefahr nicht erlaubt – eine große Herausforderung, denn es ist nicht toll, wenn Du Dein Kind permanent bremsen musst.

Es geht ihm täglich besser und nach drei Nächten dürfen wir endlich nach Hause. Theo ist traurig, er möchte lieber im Krankenhaus bleiben, sagt er, weil er da soviel fernsehen durfte wie sonst nie und weil ich so viel Zeit für ihn hatte. Das schmerzt schon ein bisschen. Aber als Theo dann seine ganzen Spielsachen wiedersieht, ist die Welt doch wieder in Ordnung. Das wir seither täglich Spaghetti Bolognese essen, brauch’ ich nicht extra erwähnen, oder?

Packliste für ein paar Tage Krankenhaus mit Kind:

 

  • bequeme Kleidung  – auch für Dich als Begleitperson
  • Handtücher und Fön
  • für Dein Kind Pyjama mit recht weiten Ärmeln: um leichter zur Kanüle zu kommen
  • viel Lesestoff sowohl zum Vorlesen als auch für Dich: gerade abends wenn Dein Kind schläf
  • Spiele und Spielsachen: vor allem Stofftiere zum Kuscheln und Festhalten, aber auch Brettspiele sind super, und ich kann auch den TipToi-Stift hier sehr empfehlen
  • eventuell Tablet mit Internetzugang: im klassischen Fernsehprogramm kann man nicht so gut die Inhalte steuern wie auf Netflix und Co. Und gerade in den ersten Stunden nach der OP ist das die einzige Ablenkung, die wirklich funktioniert…
  • Kalte weiche Lebensmittel, kein Obst für Dein Kind – könnt ihr euch aber auch nachbringen lassen
  • Geheimtipp: weiche Burger gehen relativ schnell, falls Dein Kind auch eher der pikante Typ ist, wie unser Theo 😉