Work-Life-Balance: Mythos oder möglich?

…und wo bleibt dabei die Familie?

Diese Woche hackt es wieder gewaltig…Kennt ihr das Gefühl, wenn man sich am liebsten dreiteilen möchte?

Der Plan war, dass die Kinder diese Woche vom Kindergarten daheim bleiben, weil dieser am (Pfingst-)Dienstag ohnehin geschlossen und am Mittwoch nur eingeschränkt geöffnet war. Ideal also, wiedermal eine ganze Woche bei Oma und Opa in Oberösterreich zu bleiben. Noch dazu, weil Mama und Papa im Job einiges zu tun und eher längere als kürzere Arbeitstage vor sich hatten.

Wie so oft, kam es anders: Noah ist krank geworden: Hohes Fieber und völlig k.o.

Also Planänderung: Alle gemeinsam (inklusive Oma und Opa) wieder zurück nach Hause. Theos Laune könnt Ihr Euch vorstellen: Die versprochene Woche bei den Großeltern musste wegen der Krankheit des kleinen Bruders abgebrochen werden – nicht sehr förderlich für die Geschwisterliebe.

Ich fühle mich zerrissen

Am liebsten würde ich natürlich bei meinem kranken Kind zu Hause bleiben, hab aber ein Riesenprojekt, dass genau an jenem Dienstag mit einem Event seinen Abschluss finden sollte – und noch dazu von Flo moderiert. Beide Elternteile also voll eingeteilt.

Zum Glück retten uns wieder mal meine Eltern. Sie sind so flexibel und begleiten uns zu uns nach Hause. Sie kümmern sich um die Kinder, während wir unsere Projekte zu Ende bringen. Aber was würden wir in so einer Situation ohne Großeltern machen – keine Kinderbetreuung und die Anwesenheit im Job dringend notwendig?

Schon öfter war es so, dass Flo und ich uns die Klinke in die Hand gegeben haben. Das geht in Ausnahmefällen, weil Flos Dienstzeiten es erlauben. Er kommt früher heim und ich geh später ins Büro – es ist dann wirklich ein Abklatschen zwischen Tür und Angel.

Gerade in solchen Zeiten habe ich das Gefühl, dass das Ding „Work-Life-Balance“ nicht funktionieren kann. Irgendwas bzw. irgendwer bleibt immer auf der Strecke. Natürlich haben die Kinder absolute Priorität und müssen gut versorgt sein. In den meisten Fällen geht es auch, dass Mama oder Papa im Krankheitsfall zu Hause bleiben. Aber dann leidet natürlich der Job bzw. man arbeitet dann von daheim, wenn die Kinder schlafen. In diesem Fall kommt man selbst wieder zu kurz – konkret der Schlaf und die Erholungsphase. Und auch die Beziehung zum Partner: An manchen Tagen habe ich das Gefühl, ich habe mit Flo kein einziges Wort gewechselt und wenn dann war es rein organisatorisch. Wann sind wir das letzte Mal beisammen gesessen und haben einfach einmal nur geredet – ohne Stress und Unterbrechung? Lange her. Dabei ist das so wichtig für die Beziehung.

Gar nicht so leicht, alles zu stemmen: Familie, Job und die eigenen Bedürfnisse…

„Du könntest doch zu Hause bleiben“

Jetzt werden einige vielleicht denken: „Du müsstest ja nicht arbeiten gehen und könntest zu Hause bei den Kindern bleiben.“ Da kommt eine wesentliche Komponente ins Spiel: Nämlich die eigene Selbstverwirklichung. Und die ist wichtig für mich, denn nur so kann ich die beste Mama sein, die ich sein kann. Da gehört es auch dazu, dass ich nach zwei Jahren, in denen ich jeweils ausschließlich für die Kinder da war, wieder in den Job zurückkehre. Und natürlich spielt auch die finanzielle Situation eine Rolle.

Jetzt frage ich mich, wie schafft man eine gute „Work-Life-Balance“? Viele Familien sind nicht so flexibel wie wir es sind. Viele Arbeitgeber nicht so verständnisvoll. Oft sind keine Großeltern da, die einspringen können. Ganz ehrlich: Irgendetwas kommt zu kurz, oder etwa nicht?

Nicht perfekt sein

Etwas, das ich schon lange aufgegeben habe, ist zu versuchen, perfekt zu sein. Ich kann nicht gleichzeitig eine gute Mama, Ehefrau, Hausfrau, Kollegin und Angestellte sein. Ich glaube, das zu versuchen, wäre der sichere Weg ins Burn-Out. Und wie gesagt, ich kann nur eine gute Mama sein, wenn ich auch für mich selbst etwas tue. Darum lieber in Bereichen, wo es gerade geht, einen Gang zurückschalten. Der Haushalt läuft ja (leider) nicht davon. Abends mal ein Glas Wein trinken mit dem Partner anstatt aufzuräumen oder Mails zu beantworten, die nicht wirklich dringend sind. Denn keiner ist perfekt, auch wenn es oft so scheint. Und ich finde es sehr wichtig, dazu zu stehen und auch mal „Nein“ zu sagen, wenn etwas nicht mehr geht. Ich kann das immer noch nicht gut, aber ich übe…;-)

Bewusste Auszeiten nehmen

Ich weiß, ich weiß – hört sich leichter an als es ist. Aber es ist so wichtig, sich Zeit für sich zu nehmen – auch wenn es nur ein paar Minuten sind. Einfach mal durchatmen und sich daran erinnern, dass wir nur dieses eine Leben haben und es nicht mit Gestresstsein vergeuden sollten. Oder mal eine halbe Stunde Sport machen, während die Kinder schlafen. Es ist so wichtig, dass es uns als Eltern gut geht, denn nur so können wir die beste Mama, der beste Papa und auch die besten Mitarbeiter sein, die wir sein können.

Und wie schon so oft, kann ich mich hier nur wiederholen: Ihr seid nicht allein, es geht vielen von uns ähnlich. Also no worries – gemeinsam packen wir das!

Habt Ihr Strategien, wie die Work-Life-Balance gut funktioniert? Lasst es uns wissen!!!