Wenn die Work-Life-Family-Balance mal wieder so richtig abkackt

In letzter Zeit zweifle ich an manchen (an vielen?) Tagen an meiner geistigen Gesundheit.

Zwei Anekdoten dazu: Meistens schlägt die geistige Umnachtung morgens zu, wenn ich mit beiden Kindern alleine daheim bin und wir pünktlich (weil Schulkind) aus dem Haus müssen. Warum genau dann? Weil ich morgens immer ein bisserl mehr gestresst bin und meine, 289.479 Sachen gleichzeitig machen zu können/zu müssen, damit wir rechtzeitig in Schule, Kindergarten und Arbeit ankommen. Das mit dem Multitasking klappt allerdings – ihr ahnt es schon – nur in den seltensten Fällen. Die besten zwei Geschichten aus der Reihe “Würde das in einem Film passieren, wäre es lächerlich”:

Anekdote 1

Wie ihr wisst, hat mein Mann ja nicht gerade menschenfreundliche Arbeitszeiten und steht werktags um 2.30 Uhr auf. Nach vielen Jahren höre ich Flos Wecker schon seit einiger Zeit nicht mehr und schlafe so die meisten Nächte weiter, auch wenn er aufstehen muss.

Nicht so vor ein paar Wochen: Flo weckt mich um 3 Uhr morgens auf und bittet mich, ihm beim Verladen eines richtig schweren Fitnessgeräts zu helfen. Lustig, meint ihr, warum machen wir das nicht am Vorabend? Genau: Weil wir vergessen hatten, dass Flo das Teil an diesem Tag in der Sendung braucht.

Also raus aus den Federn und schleppen bis die Schweißperlen auf der Stirn stehen. Ein bisschen hatte ich Angst, die Nachbarn würden die Polizei rufen, weil wir mitten in der Nacht schweres Gerät durch die Gegend schleppten. Aber das blieb uns dann doch erspart. Natürlich konnte ich nach diesem Kraftakt ewig nicht mehr einschlafen und wie es der Teufel so will, hab’ ich dann klarerweise ein paar Stunden später voll verschlafen.

Schnell, schnell also mich und die Kinder fertig machen, ab ins Auto, zur Schule, zum Kindergarten. Moment: Wo sind Schultasche und Kindergartenrucksack? Exakt: Die stehen noch einsam und verlassen in der Garderobe daheim, wo ich sie in meiner geistigen Umnachtung vergessen habe. Also Kinder in die jeweilige Anstalt geschickt und wieder nach Hause gerast, Rucksäcke geholt und den Kindern nachgereicht. Klarerweise durch diesen ganzen Tamtam Zug versäumt. Ich versichere Euch, schon zu diesem Zeitpunkt war ich alles andere als tiefenentspannt.

Mit dem Auto also in die Stadt gerast. Gerast wäre allerdings übertrieben, denn natürlich bin ich dann prompt noch im Stau stecken geblieben. Dann endlich mit der U-Bahn vom Park&Ride weiter. Schon in der U-Bahn zu arbeiten begonnen, weil eh viel zu spät dran und dann als Krönung noch zwei Stationen zu weit gefahren. Ich habe mich dann entschieden, zu Fuß zur Arbeit zu gehen, sonst wäre ich vermutlich noch ausgerastet.

Völlig erledigt im Büro angekommen.

Anekdote 2

Wer glaubt, dass es das schon war, kennt mich schlecht. Die Frau Danner ist nämlich ein derartiger Schussel, dass ich ernsthaft überlege, mir einen persönlichen Assistenten zuzulegen, nur damit ich den morgendlichen Wahnsinn überlebe. Also falls wer wen kennt, der wen kennt…;-)

Letzte Woche also wieder einmal ein Highlight:

Ich war eigentlich ganz gut in der Zeit, pünktlich aufgestanden, geduscht und gerade dabei, das Frühstück für die Kinder herzurichten, als Theo schreiend aufwacht. So viel Bauchweh und gar nicht mehr auszuhalten. Auf meine Frage, wo es genau weh tut, zeigt er auf den rechten Unterbauch und weint weiter. Oh Gott, lass’ es bloß keine Blinddarmentzündung sein. Viel kuscheln und trösten helfen leider auch nichts, erst durch eine Wärmeflasche wird es besser. Vermutlich lag es daran, dass Theo am Vorabend noch ca. einen Liter Wasser getrunken hatte und der Bauch dadurch recht “voll” war. Erst mein Versprechen, dass wir die Nachmittagsbetreuung an diesem Tag sausen lassen werden, heilt das Kind und plötzlich passen auch wieder 3 Marmeladebrote in den Bauch. Durch das ganze Drama ist der Zeitplan natürlich wieder komplett im Eimer: Also wieder schnell die Kinder fertig machen, auf meine Restauration verzichte ich, ungeschminkt ziehe ich mir zeitgleich Schuhe und Jacke an, suche den Regenschirm und verstaue die Jausenboxen. Die Kinder steigen in der Zwischenzeit schon einmal ins Auto.

Als ich das auch machen möchte, finde ich den Autoschlüssel – mit dem ich erst Minuten zuvor das Auto aufgesperrt habe – nicht mehr. Das gibts doch nicht: Ich stelle alles auf den Kopf, gehe in alle Zimmer – kein Schlüssel zu finden. Schön langsam drehe ich durch, es ist 10 Minuten vor 8. Was nun? Ich trage Noah wieder ins Haus und setze ihn – pädagogisch wertvoll – vors Tablet. Schnappe Theo und renne mit ihm zur Schule, die er Punkt 5 nach 8 betritt. Mit den Worten “Sag’ der Lehrerin, dass die Mama schuld ist und den Schlüssel nicht findet” verabschiede ich das Kind und renne zurück zum anderen Kind, während ich sämtliche Horrorszenarien durchdenke, was Noah in den 10 Minuten alles daheim passiert sein könnte. Als ich heimkomme, sitzt dieser seelenruhig noch in der genau gleichen Position vorm iPad und beschwert sich, warum ich schon wieder da bin.

Im Auto ohne Autoschlüssel: schwierige Kombination

Ich atme also tief durch und beginne erneut, den Autoschlüssel zu suchen, weil ich mittlerweile natürlich wieder den Zug versäumt habe. Nach gefühlten Stunden und komplett verzweifelt schaue ich in der Garderobe noch ins Schuhkastl und ratet mal, was dort anstelle der Sneakers liegt, die ich vorhin in der Eile angezogen habe: Richtig, der Autoschlüssel.

Alles in allem habe ich mir an diesem Tag zumindest meinen Sport erspart, gefühlt habe ich durch diese Aktion ohnehin 23.984 Kalorien verbrannt.

Also, Supermom oder nicht: An manchen Tagen ist man einfach nur froh, wenn man irgendwie überlebt und das schon vor 9 Uhr morgens.

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